ma-re-sa,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/26387-Moderner-Aufbau-Schutzdienst/?postID=184264#post184264 schrieb:Wann man welche Kettenglieder aufbaut, hängt vom Reifegrad und
von der Technik des Hundes ab.
Mir ging es jetzt nur um den gezielten Einsatz von Verstärkern vs Pseudobelohnung und falschem Duldungsgehorsam. Das gilt für das gesamte Training als Prinzip. Kein Sitzen mit Ärmel im Maul, schon gar nicht vor dem Helfer. Kein Streicheln des Hundekopfes durch den Helfer, wie auf deinem Video. Das sind alles noch Überreste der alten Ausbildung, vermute ich mal.
Das Thema ist ja Schutzhundaufbau. Mir ist klar, daß einige Hunde der neuen Ausbildung auch hochgradig aggressiv sind, damit sie ihren Arm
bekommen. Einige beißen auch zivil.
In Fulda, Hamburg und Wuppertal gab es innerhalb der letzten 2 Tage Angriffe, die genau in das Spektrum eines Schutzhundes gepaßt haben.
Hierfür müßte man sicher auch in Graubereichen trainieren. Aber es ist mir klar geworden, daß ich hier in der falschen peergroup unterwegs bin:-)
Abschließend noch eine Anmerkung zu Berührungen: Berührungsreize sind neben dem Riechen die Empfindungen, welche nicht manipuliert, schöngedacht
oder fehlinterpretiert werden können.
Wenn also der Hund im SD angefaßt wird, erhalte ich sofort 2 Infos. Getraue ich mir das → was ist mit dem Hund. Wie ist der Hund drauf
→ souverän ablehnend, angespannt, verspannt, offen, anlehnungsbedürftig, überlastet.
Man kann dem Hund also mit Berührungen auch als Helfer ebenso wie der Hf helfen. Mit Berührungen seitlich+ausatmen = sinkender Muskeltonus
stabilisieren oder beruhigen (synchronisieren, kappt sogar beim Tierarzt). Mit der Hand über den Augen nimmt man dem Hund einen Sinn. Damit kann man beruhigen oder die Wahrnehmung des Umfeldes bzw. die Reaktion darauf ändern. Im Grunde muß man sich das mal bei sich selbst vorstellen – was bewirkt das bei mir.
Entwicklungsgeschichtlich ist der emotionale Kram bei Hund und Mensch identisch. Nur das wir das auch bewußt wahrnehmen und deshalb
Verhaltensprogramme verändern oder neu zusammenstellen können.
Hat der Hund den Arm im Besitz und man berührt ihn kurz, hält er die Nähe aus, ist belastbar und führt für einen Moment. Im Fußball
oder sonst im Sport rennen die Omegas auch zu den Alphas, die grad ein Tor geschossen haben und fassen sie an. Bei jungen Jungs sieht
man das Spiel auch, daß sie posen, ruhiger werden, die Mädchen tippen an, die Jungs posen wieder. Deshalb halte ich anfassen, wenn
der Hund es zuläßt, für nicht schlimm. Wehrt der Hund sich erfolgreich dagegen, ist er wieder gewachsen.
Ich denke auch, daß Tiere die Absicht des Handelns des Helfers / Menschen erkennen.
Daß der Hund mit dem Arm im Maul nicht sitzen soll, sehe ich auch so. Aber deshalb, weil er Luft braucht. Im Sitzen wird die Atmung
behindert.
Ich denke auch, daß die neue Ausbildung nicht zwangsfrei ist. Sie arbeitet mit verleiden, unangenehm und technischen Zwängen oder das
Erhalten von Zuwendung nur für bestimmte Verhaltensweisen. Natürlich ist es einfacher, wenn ein 12 Wochen alter Hund schon abgibt, so
weiter zu arbeiten. Denn er kennt ja dann nur dieses eine Verhalten. Das führt bei spät reifenden Hunden aber trotzdem zu Problemchen,
da sie zusätzliche Erfahrungen machen können.
Ich meine, auf die haptische Komponente der Ausbildung durch Helfer / Hundeführer (auf jedem Fall im Hunde-sport-) zu verzichten, ist
nicht unbedingt vorteilhaft. Zumal Berührungen / catchen mit dem Hf als Belohnung den Ball ersetzen können (Bindung). Das gilt auch für
den Helfer, da viele Hf woran scheitern? Am Gehorsam im SD, da sie die neuesten Konzepte nicht umsetzen können (nicht, weil sie doof
sind).
In diesem Sinne, ein schönes Wochenende.
PS: Wenn man schreibt, daß das Alte schlecht ist und
Veränderungen fordert, weil nur System x richtig ist, erzeugt man oft Reaktanz. Besser ist es,
Verbesserungen auf den Weg zu bringen. Sich verbessern, ist recht einfach. Sich zu verändern ist schwer. Letztlich muß man die Leute da abholen, wo sie sind.