Ich habe mich bis hierher durchgekämpft. Vieles sehe ich ähnlich, schwarz, weiß, konfliktarm, Ansatzverhalten usw. Letztlich ist aber die Grundlage des Lernens ein Konflikt. Und Raiser hat den Weg geebnet dafür, daß die Hunde innerlich nicht mehr zerrissen wurden. Er sagte damals, daß das, was bisher gemacht wurde, die Hunde krank macht.
Ich selbst bin ein Clickerfan und mache vieles nicht mehr, was ich früher gemacht habe. Mein Hund heute muß auch nicht mehr beißen wie ein Kesselflicker. Nett zu Frauchen und den Kindern ist wichtiger.
In meinem Reparaturbetrieb erlebe ich aber, daß i.d.R. ein Ordnungsgong der Einstieg dazu ist, daß der Hund wieder zuhört, was ja eine Motivationsverschiebung meint. Futter, Ball etc. will er oft nicht mehr bzw. kann deren Anwesenheit nicht bemerken. Es mangelt also schlicht an Autorität. Und dieser Mangel macht ein z.T. ausschweifendes Ausbilden zur Problemvermeidung erforderlich. "Aus" ist schon beim Zwerg nicht verhandelbar. Die Kinder wollen ihr Plüschtier zurück. Dann klappt es später auch im SD. "Hier" dito. Natürlich gehe ich dabei über ein Bodentarget. "Geh rauf" ist das Bleiben unter schwierigsten Bedingungen und die Belohnung ist "Hier!" Mein Hund d a r f zu mir kommen, er muß nicht (natürlich muß er) Vom innernen Gefühl her kommt der Hund gern. Ist der Interessenkonflikt zu groß, regelt es die eigene Autorität. Beißt der Hund dann nicht mehr so doll oder läßt das Training ihn zerbrechen und man will (Zivil)fighter, sollte man sein Selektionsprogramm modifizieren.
btw: Autorität, die ein Hund ernst nimmt, nimmt ihm gleichzeitig viele elementare Sorgen wie Umweltprobleme, Ängste ab. Via negativer Verstärkung lernen ängstliche Hunde ihre Furcht zu überwinden. Was soll man sonst tun? Sie zwecks konfliktfreiem Training in Angst belassen? Auch Konflikte im Gehorsam verschwinden, da der Hund nicht mehr gezwungen ist, Entscheidungen zu treffen. Im zivilen Bereich sicher mehr als im Sport. Aber die Konflikte entstehen m.M. n. aus Unsicherheiten (Genetik + schwarz/ weiß), aber Autorität löst sie auf, wenn die geltenden Regeln, von mir aufgestellt, verstanden wurden (moderne Ausbildung immer gern) und nun in alle Ewigkeit gelten. Die Topleute haben zurecht Erfolg. Aber auch sie setzen den Konflikt Ablenkung vs. Focus auf Hf und benutzen Zwänge. Da ist der Hund noch klein.
ma-re-sa,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/26387-Moderner-Aufbau-Schutzdienst/?postID=183824#post183824 schrieb:Ich weiß, dass es diese Sicht gibt,
vielleicht ist sie ja sogar in Mode. Meine Sicht, und die soll mein
Hund im SD teilen, ist ganz anders.
Zitat:Der Helfer ist der Böse, der gebissen wird, wenn er angreift oder wegläuft. Er darf stehen und auf Aufforderung vom HF weggehen oder mit diesem gehen. Er darf niemals auf den HF und Hund zugehen und sich vor diesen aufbauen.
Ziel der Zucht sollte doch ein Hund sein, für den es keine Aggressoren, sondern nur Opfer gibt, oder nicht (so von wegen der Konflikte)? Der Hund hält weglaufen von Leuten aus, freut sich über Angriffe, herantreten hält er aus oder es ist ihm gleichgültig. er ist bei Bedarf sofort auf Sendung und beißt auch herzhaft inaktive vor einem Stehende, wenn er darum gebeten wird.
Zitat:Das deckt sich auch mit der PO. Auch im
Training achte ich strikt darauf. Nicht der Helfer holt den Ärmel,
wenn er vor dem Hund liegt, sondern ich bringe den Ärmel zum
Helfer.
Dann liefert mir die PO keinen brauchbaren privaten Begleithund.
Zitat:Das Ganze entspricht auch der den
Hunden eigenen Form der Territorial- und Bewegungskontrolle.
Das ist einem stabilen Hund wurscht. Und einem schwächeren auch, Schon haben beide Ruhe.
Zitat:Ich möchte auch nicht, dass mein Hund
in irgendeinem Moment entspannt ist im SD.
Hast Du schon mal 12 Stunden an der Tür gestanden oder sowas in der Art gemacht? Es platzt Dir der Kopf, wenn Du nicht runter kommst. Oder Du trainierst nur für 1 Runde bei guten Bedingungen.
Zitat:Moderne Ausbildung heißt für mich
nicht, dass der Hund entkernt wird zum Gentlemansportler, der den
Helfer als Spielkumpan sieht.
Am Ende doch. Ein wirksamer Hund, der mitgenommen werden kann in die Öffentlichkeit. Schon Ali konnte sich beherrschen, wenn Foreman wackelte und hat ihm nicht noch sinnlos eine mitgegeben. Oder Fedor Emelianenko. Ein guter Hund spielt mit ihm Wohlgesonnenen und bei Bedarf zieht er durch. Der hält das aus. Wer nicht spielen will, spielt eben nicht. Aber Spiel mit Ball / Beißen macht das Leben einfacher. Spiel entspannt (Nuckel). Ein schwächerer Hund ist auf Gentlemen angewiesen. Und für den Rest ist es doch gut, zu spielen. So von wegen work-life-balance.
In diesem Sinne. Ich würde mich über eine Mail von Dir freuen (keine Ironie). Und, Leute, genießt mit Eurem Hund die Sonne!