Beiträge: 1.528
Themen: 28
Registriert seit: Sep 2006
Steffi Broderius,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/26387-Moderner-Aufbau-Schutzdienst/?postID=184274#post184274 schrieb:Detlef sprach die 3 Sekunden Regel an... kann man dazu etwas erläutern?
Unter drei Sekunden verbindet, über drei Sekunden trennt ab.
Du möchtest Konflikte vermeiden?
Wenn der Hund sich die Beute holen will und du hälst ihn fest, entsteht Konflikt.
Wenn du möchtest das dich der Hund anschaut, er aber den Helfer im Auge behalten will, entsteht Konflikt.
Wenn du die Beute haben willst, er sich aber lieber daran abreagieren möchte, entsteht Konflikt.
Wenn der Hund nach der Beute Eroberung los rennen will, er aber an der Leine daran gehindert wird, entsteht Konflikt.
Mal davon abgesehen das dein Hund die Konflikt noch mit Aktivitäten beantwortet, darf man eines nicht dabei vergessen. Es geht dem Hund an die Nerven, und er hat sowieso schon eine niedrige Reiz Schwelle.
Ich würde den Aufbau des Hundes ganz anders gestalten.
Gesendet von iPhone mit Tapatalk
Beiträge: 99
Themen: 0
Registriert seit: Nov 2016
Da hier oft von Verstärkern gesprochen wird, wäre es schön zu beschreiben, welche unterschiedlichen Verstärker es gibt, und wann und wie welcher eingesetzt wird.
Die hier erwähnte 3sec-Regle stammt aus der klassischen Konditionierung und beschreibt wie ein ursprünglich neutraler Reiz, der bisher keine Reaktion auslöste, eine bestimmte Reflexhandlung auslöst, damit dies gelingt dürfen beide Reize nicht mehr als 2 Sekunden auseinander liegen. Diese Idee verfolgt man beim Belohnen, soll heißen die Belohnung folgt innerhalb von 2 Sekunden nachdem der Hund ein gewünschtes Verhalten gezeigt hat.
Verwendet man das Beißen in den Ärmel als primären Verstärker beim AUS, so sollte der Wiederanbiss nach dem Kommando AUS innerhalb von zwei Sekunden erfolgen.
Klassische Konditonierung findet übrigens immer statt und ist unabhängig von Bewußtsein und Willen.
dberensmann,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/26387-Moderner-Aufbau-Schutzdienst/?postID=184270#post184270 schrieb:Was denkst du davon, besonders unter dem Hintergrund die 3 Sekunden Regel einzuhalten,
mit einer zweiten „gleichen“ Belohnung (Beute) zu arbeiten.
Natürlich gute Idee, aber man muss vorher testen, wie der Hund
reagiert. Besser noch im Spiel zu Hause ihm den Wechsel
von toter zu lebendiger Beute mit Click/HZ beibringen.
Ganz wichtig ist, dass der Helfer nie von sich aus aktiv wird,
sondern immer erst mit dem Click oder HZ für den Hund. Der Hund
braucht diese Info, damit er eindeutig weiß, dass er das
Verhalten des Helfers ausgelöst hat. Sonst lernt er nicht so schnell
und gut.
Beispiel Rückentransport:
gut: Hund löst am Knie Click/HZ aus und Helfer greift an: Hund
glaubt, dass er die Kontrolle über den Helfer hat, wird also beim
Transport nicht vorprellen wollen.
schlecht: Helfer greift irgendwann ohne Vorzeichen an, Hund
glaubt, dass er jederzeit mit einem überraschenden Angriff rechnen
muss, prellt deshalb vor.
Click/HZ müssen so laut sein, dass der Helfer sie als Zeichen für
Aktion auch deutlich hört.
Problem 1: Helfer alter Schule will das alles nicht, weil er sich
vom HF doch nicht fernsteuern lassen will. Lösung: „Der
Weltmeister, Heuwinkl oder der liebe Helfergott macht das nur noch
so“. :biglaugh:
Problem 2: HF ist unerfahren und beherrscht das Timing beim
Shaping nicht. Lösung: erfahrene Hilfsperson gibt dem HF ein
Nickzeichen.
Beiträge: 1.528
Themen: 28
Registriert seit: Sep 2006
Zitat:Ganz wichtig ist, dass der Helfer nie von sich aus aktiv wird,sondern immer erst mit dem Click oder HZ für den Hund. Der Hundbraucht diese Info, damit er eindeutig weiß, dass er dasVerhalten des Helfers ausgelöst hat. Sonst lernt er nicht so schnellund gut.
Ich habe einen Hund beim Training mit dem ich mal eine Versuchsanordnung machen werde.
Ist zwar schon ein IPO 3 Hund, und der hat vor 2 Minuten 97 auf der Fährte gemacht, wir sind noch auf dem Acker, aber zum lernen ist ein Hund nie zu alt.
Werde das natürlich mit Video aufnehmen.
Beiträge: 931
Themen: 115
Registriert seit: Sep 2006
Ich habe mit Detlef über die Arbeit gesprochen und gehe noch einmal ein paar Schritte zurück im Aufbau.
Gruß Steffi ...
Beiträge: 1.526
Themen: 28
Registriert seit: Sep 2007
@Ma-er-sa
„ Beim SD gibt es das erwünschte Verhalten „beißen“, was der Hund von sich aus tut (abgesehen von bestimmter Technik), also klassisch „freiwillig“.“
Welche Bedeutung hat das für die Gegnerschaft zum Helfers, bzw. warum beißt der Hund den Helfer?
Hat da der Begriff „ Schutzdienst“ eine tatsächliche Bedeutung?
Und was schützt der Hund?
Da er ja die Situation beherrscht, beißt er ja nicht aus Sorge der eigenen Unversehrtheit. Er könnte ja auch versuchen über Dominanzgehabe einzuschüchtern?
Oder zeigt man ihm, dass das nicht ausreicht um Kontrolle zu bekommen?
Schickt man ihn zum Prügeln nach Regeln los, weil das aus seiner Erfahrung nach das größte ist?
Meine inneren Gedanken dazu:
Der Hund soll am Ende für die Folgeübung der jeweiligen Handlungskette arbeiten, will die über die Vorhandlungskette auslösen... Bekommt sie ja auch über das Hörzeichen am Ende der Vorübung.
In sich abgeschlossene Handlungsketten werden in den Lernphasen Positiv über das Beißen konditioniert, später ersetzt
die Folgeübung mit Beißen als Belohnung die Vorübung ohne Beißen.
Heißt, dass dann eine komplette Folgeübungshandlungskette, in sich positiv über das Beißen verankert , sich wie das Einlösen des Versprechens ( Click/HZ)auf das Beißen der Vorübung verhält.
Daher ist es wichtig, dass die einzelnen Glieder positiv besetzt bleiben.
Gedanke ist gut... keine Frage. Man verschiebt das Beißen ans Ende der Handlungskette, die auf die Handlungskette folgt, wo der Hund nach PO eben nicht mehr Beißen darf.
Das Hörzeichen bekommt dann Sekundärverstärkerfunktion, die Folgeübung als Handlungskette ist dann quasi der Primärverstärker. richtig?!
Am Ende steht dann das Beißen, worüber man dann in der Vorübung nicht unbedingt beißen lassen muss, denn diese ist ja das Versprechen auf das Beißen am Ende Folgeübungshandlungskette.
Also verarscht man den Hund nicht, und man braucht keine Ersatzbestätigung.
Habe ich das so richtig verstanden?
Aber, warum beißt der Hund den Figuranten?
Sicher ersteinmal, weil er kein Freund ist, von dem er sich dulden lassen muss angefaßt zu werden...
wieder sehr theoretisch, aber ich will das verstehen, bzw. auch wissen, ob ich das so verstanden habe, wie das gemeint gewesen ist.
An welchem aktuellen Hund kann man das sehen?
Schön mal vor der eigenen Tür kehren...
Beiträge: 3.046
Themen: 210
Registriert seit: Sep 2022
dberensmann,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/26387-Moderner-Aufbau-Schutzdienst/?postID=184275#post184275 schrieb:Unter drei Sekunden verbindet, über drei Sekunden trennt ab.
da ist allerdings ein Problem dabei.... der Hund verbindet sein letztes Verhalten mit der Belohnung. Wenn nun also in der "3 Sek. Regel" nach zwei Sek. ein anderes Verhalten vor der Belohnung vom Hund gezeigt wird, dann ist es nix mit der 3 Sek. Regel, bzw. mit der gewünschten Koppelung Verhalten --> Belohnung
Ideal ist es, die Belohnung unmittelbar mit dem Verhalten zu koppeln (<1 Sek.). Das geht gut über den Clicker (da eindeutig) oder aber auch über ein anderes eindeutiges Signal.
Bye Uwe
tinka,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/26387-Moderner-Aufbau-Schutzdienst/?postID=184281#post184281 schrieb:Habe ich das so richtig verstanden?
Ich glaub schon.
Wir versuchen möglichst so aufzubauen,
dass Handlung zwei Handlung eins verstärkt.
Z.B.: das Bellen verstärkt das
Revieren. Der Überfall verstärkt den Rückentransport.
Der Welpe beißt gerne in den Lappen,
das liegt in seiner Natur. Wir fördern das. Später beißt er gerne
den Ärmel. Er will nicht den Helfer beißen, wenn dieser den Ärmel
hat, das würde nur Probleme machen. Jedenfalls fördern wir das
nicht, haben aber Möglichkeiten, auch Hunde mit so einer Veranlagung
modern auszubilden.
Durch das Helfertreiben stärken wir
das Selbstbewusstsein des Hundes, damit er später den Belastungen
besser begegnen kann und insgesamt eine offensive Besiegereinstellung
zum Helfer hat. Der Helfer ist also vom ersten Moment an der Gegner,
ernst zu nehmen, aber beherrschbar wenn man sich anstrengt. Jedes
Lob, jedes Streicheln oder unterordnen, zwangskorrigieren durch den
Helfer ist ausgeschlossen.
Wir bauen also nicht so auf, dass der
Helfer im Verlauf der Ausbildung seinen Charakter ändert, aus einem
freundlichen Spielkumpel allmählich ein unfreundlicher Gegner wird,
und der Hund sich dieser Entwicklung hinterherhinkend anpassen muss.
Das wäre Beschiss, der die Hunde verunsichern kann, zu Problemen wie
„naschen“, unruhiger Griff usw. führen kann.
Beiträge: 1.526
Themen: 28
Registriert seit: Sep 2007
Würde er ihn beißen, wenn er den Ärmel nicht hat, er aber versuchen würde ihm den Ärmel weg zu nehmen? (bei Inaktivität des Figuranten gäbe es ja keiner Veranlassung des Hundes dazu)
Oder gibt es die Ärmelverteidigung in diesem Sinne nicht?
Würde er ihn beißen, wenn er versuchen würde ihn anzufassen?
Und, hätte er die Chance dazu?
Schön mal vor der eigenen Tür kehren...
tinka,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/26387-Moderner-Aufbau-Schutzdienst/?postID=184284#post184284 schrieb:Würde er ihn beißen, wenn er den Ärmel nicht hat, er aber versuchen würde ihm den Ärmel weg zu nehmen?
Das kommt auf den Hund an, wenn man das
nicht ausgebildet hat. Manche sichern spontan, indem sie mit dem
Ärmel weglaufen wollen, manche sichern spontan, indem sie den Helfer
beißen wollen.
Obwohl uns die letztere Veranlagung
lieber ist, können wir beide so ausbilden, dass man am Ende nicht
zwangsläufig einen Unterschied erkennt. Auf keinen Fall arbeiten wir
gegen die jeweilige Veranlagung, sondern respektieren und nutzen
diese, indem wir unsere Methoden immer dem jeweiligen Hund anpassen.
Egal wie aber, auf keinen Fall
darf der Helfer auf den Hund zugehen und den vor dem Hund liegenden
Ärmel wegnehmen und der Hund muss das erdulden, sondern der HF gibt
HZ Platz und bringt den Ärmel zum Helfer.
|