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Meideverhalten im SD abstellen
@ dshpur: Überholen ohne Einzuholen! – Die Parole der DDR-Wirtschaftspolitik, als sie in den 60er Jahren von der Entwicklung im Westen abgehängt zu werden drohte. Nicht gerade eine Siegerdevise. Und was heißt "auf den Gebrauchshund zurückbesinnen"? Sinnvollerweise muss man sich auf den, wenn überhaupt, vor-besinnen, denn für die Lebenswelt und für die Aufgaben der Zukunft hat es den geeigneten Gebrauchshund ja möglicherweise noch nicht gegeben.

@ Heinz: Zunächst mal habe ich überhaupt nichts gegen den RSV. Ich habe auch nichts dagegen, dass man versucht, auf die PO Einfluss zu nehmen. (Das wünsche ich mir oft selbst.) Ich habe mich hier gegen die von dshpur angedeutete WEISE der Einflussnahme ausgesprochen: Es kann nicht sein, dass ein Verein seine Ideale allen aufpfropft. Was ein Verein sehr wohl kann und, wenn er eine Überzeugung vertritt, auch tun soll, das ist, diese Überzeugung bekannt zu machen, für sie zu werben und mit ihr um ZUSTIMMUNG anderer zu Veränderungen zu buhlen. Das schien mir dshpur nicht gemeint zu haben. Dagegen wäre aber nichts zu sagen.

Ob die PO Gebrauchshundeeigenschaften zeigt? Und ob der ruhige Griff immer wünschenswert ist? Das sind, finde ich, sehr komplexe Fragen, auf die ich auch nur komplexe Antworten habe, von denen ich nicht recht weiß, wie ich die hier in so ein Posting reinkriegen soll. Ich vereinfache mal ganz kurz:

1. Zur PO: Es wäre ja schon kompliziert, überhaupt die wesentlichen Gebrauchshundeeigenschaften zu bestimmen. Das ist oben ja schon versucht worden. Ich denke: Ja, die PO ist zum Teil in der Lage, Gebrauchshundeeigenschaften aufzuzeigen. Aber sie könnte verbessert werden. Aber es wäre keine Verbesserung, wenn nur bestimmte Vorstellungen vom Gebrauchshund dabei zum Tragen kämen. Es gibt aber eine Menge konkurrierender Vorstellungen, wie Du selbst schreibst. Also wird man auf demokratischem Wege (und andere Wege mag ich nicht) immer wieder nur POs bekommen, von denen manche Puristen (nicht nur dshpur) meinen, dass sie Gebrauchshunde benachteiligen. Und würde man die PO nach ihrem Willen umformen, würden wieder andere kreischen, dass man die Gebrauchshunde vernachlässige. Mal ist es das Graue, das besondere Berücksichtigung verlangt, dann die Schnelligkeit, dann die Kraft, dann der Beutetrieb und dann und dann und dann ... Eine gemeinschaftliche PO bekommen wir nur über Kompromisse, in der die verschiedenen Blicke auf den Gebrauchshund etwas von dem zu sehen bekommen, als was sie den Gebrauchshund bestimmen. In einer pluralen Gesellschaft wird es keine Dominanz der Ideale nur einer Gruppe mehr geben. Und für den Austausch untereinander wäre es klug, wenn jede Gruppe das wüsste und berücksichtigen würde.

2.: Die Grundidee des ruhigen Griffes war es, dass ein Hund Nervenstärke und Belastbarkeit braucht, um ihn durchhalten zu können. Und manchmal ist ein ruhiger Griff auch ein Zeichen von Souveränittät und Belastbarkeit, das glaube ich tatsächlich. So wie ein unruhiger Griff manchmal (nicht immer) ein Anzeichen von Unsicherheit ist. Leider wird die Sache aber tatsächlich viel komplizierter, wenn die Vorstellung ins Spiel kommt, dass es nicht um einen erlernten Ritual-Kampf, sondern um eine echte Auseinandersetzung gehen sollte. Wenn wir wirklich anfangen wollten, uns über ernsthafte Auseinandersetzungen zwischen zwischen Hund und Mensch zu unterhalten, dann wäre die allererste Empfehlung, die wir dem Hund zu geben hätten: "Beiß dich um Gottes willen nicht fest! Spring vor, schnapp kurz zu, spring wieder zurück und spiele Deine überlegene Wendigkeit aus, um den Menschen am Ort zu bannen und zu beschäftigen, bis Menschen kommen, die die Situation lösen!" Hunde sind, was die Einschätzung körperlicher Kräfteverhältnisse und die Abschätzung des Erfolgs von Bewegungsabläufen betrifft, nicht blöd. Dass es im Ernstfall völlig lebensmüde wäre, sich in einen zweiarmigen überlegenen Gegner einzuhängen, weil der zweite Arm dadurch unblockiert bleibt und gegen ihn keine Verteidigung mehr möglich ist, das muss man Hunden nicht erzählen. Und wenn es einem Hund passiert, dass er sich im Schutzdienst doch einmal so richtig ärgert, so dass er es wirklich ganz ernst zu meinen beginnt, dann erwacht in ihm die Intention, die Distanz zum Helfer zu vergrößern, um realistisch erfolgreich vorgehen zu können. Das wird der Hund dann kaum je tun, weil es nicht das konditionierte und erwünschte Verhalten ist. Aber man wird ihm an vielen Anzeichen die Intention körpersprachlich ansehen können. Und zu diesen vielen Zeichen gehört auch der Griff, der dann unter Umständen unruhig wird, weil es diesem Wunsch des Hundes widerspricht, sich selbst zu fixieren. Das muss dann durchaus keine Nervenschwäche oder einen Mangel an Belastbarkeit darstellen. Ein anderer Sonderfall dafür, dass Griffunruhe nicht unbedingt nervliche Unruhe anzeigen muss, liegt vor, wenn brachyzephale Hunde die mangelnde Schwerwirkung ihres Gebisses durch Schütteln auszugleichen versuchen.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Fälle, in denen ein unruhiger Griff nicht gegen einen Hund spricht. Worauf ich hinauswill ist aber etwas anderes: Wenn wir die Griffruhe in Frage stellen, dann können wir auch, mit gleichem Recht, die ganze Inszenierung des Festbeißens im Ärmel in Frage stellen. Warum inszenieren wir das, wenn es doch unrealistisch ist? Nun, weil gerade der mangelnde Realismus vom Hund Mut verlangt: Den Mut, sich gegen alle Aussicht auf Rettung in einem Ernstfall auszuliefern. Der Hund unternimmt für uns etwas, was von ihm selbst (von der beruhigenden Wirkung des Trainings mal abgesehen) als gefährlich eingeschätzt wird. (Ich persönlich würde freilich sagen, dass mir auch am Schutzdienst liegt, weil er dem Hund eine der wenigen möglichen verantwortbaren aggressiven Jagderlebnisse bietet, auf die seine Natur, wenn auch nicht in dieser Form, eingerichtet ist.) Würden wir einen realistischen Kampf einrichten, so wäre das zum einen gefährlicher, zum anderen würde aber die Beurteilung des Mutes und der Nervenstärke des Hundes nicht leichter, sondern noch schwieriger! Ein Hund, der den Helfer bannend umspringt und nur hin und wieder vorstößt, macht die Unterscheidung von starken und schwächeren Temperamenten noch schwieriger, weil der Hund auf vier Beinen und in voller Beweglichkeit tiefer in seiner Komfortzone bleiben darf, als wenn er sich in einen überlegenen Gegner so einhängen muss, dass dessen Schläge ihn gar nicht verfehlen können.

Die Griffruhe ist eine problematische Sache, wenn sie als ALLEINIGES Kriterium für die Beurteilung der Kampfhandlungen dient. Als eines unter mehreren sich ergänzenden Kriterien wie Griffhärte, Kontern, Körpereinsatz etc. hat sie aber einen relativen Sinn.

Alles in allem: Die PO ist nicht so schlecht, wie sie gemacht wird, aber nicht so gut, wie sie sein könnte. Ein guter Bewerter (Richter) kann mit ihr aber durchaus schon Gebrauchshundeeigenschaften herausstellen. Und einem schlechten Bewerter wird man immer genauere Formulierungen der PO wünschen, die ihn auf den rechten Weg zwingen ...

Aber das alles ist nicht mein zentrales Votum. Mein Votum ist, dass man mit der PO, die man jeweils hat (und die sich auch ruhig ändern darf und soll) als Ausbilder auf die psychische und physische Stärkung der Hunde hin ausbildet. Und wenn wir da an einem Strang ziehen würden, dann würde sich mit der Zeit auch die PO diesem Bedürfnis besser anpassen.
„Geht es nach der Breite der Welpenkäufer, hat der DSH heute
seinen Platz in erster Linie als Familienhund, ohne eine konkrete Zielsetzung
der Besitzer.“



Es gibt den „DSH“ mit Zuchtschwerpunkt reiner schöner
Familienhund, als Sporthund und als Gebrauchshund.


Der RSV2000 züchtet nur Gebrauchshunde. Den Unterschied
sieht der Kenner den Hunden sofort an. Spätestens in der Ausbildung treten dann
die ganz grossen Unterschiede zu Tage, mit denen allerdings nur die HF-Elite
umgehen kann. Und genau da fehlt bei den grossen IPO Veranstaltungen dann leider
zur Zeit noch die besondere Wertschätzung durch die Leistungsrichter.


Überholen ohne einzuholen bedeutet eben nicht Anpassung der
Zucht und Ausbildung an das herrschende PO-System, sondern Anpassung des
PO-Systems an die Ausbildungsnotwendigkeiten von Gebrauchshunden. Bei diesem
bevorstehenden Schritt braucht die Elite aber die Unterstützung auch aus den
grösseren Massenvereinen.

Statt kleinlicher Kritik ist jetzt Solidarität gefragt.
Also zusammengefasst...nur damit ich es auch verstehe...
Der RSV 2000 züchtet Gebrauchshunde, mit denen man bei der aktuellen PO kein Gesamt-V holen kann, es sei denn man führt fairerweise Bonuspunkte ein, weil diese Hunde halt einfach zu "echt" sind.
Der SV züchtet Sporthunde, also Sportmarionetten den man ja quasi alles andressieren kann, AUSSER die neue, definitiv kommende PO die von RSV Richtern auf dem RSV-DSH zugeschrieben worden ist?
Felczykowsky
ich glaube das weiß er selber nicht so genau. Oder vielleicht so ähnlich, nur ganz anders.
Zwei Worte, die mir im Leben alle Türen öffnen:

Drücken und Ziehen.
Hallo dshpur,

Du bringst das Unglück Deiner Argumentation auf den Punkt:

"Überholen ohne einzuholen bedeutet eben nicht Anpassung der
Zucht und Ausbildung an das herrschende PO-System, sondern Anpassung des
PO-Systems an die Ausbildungsnotwendigkeiten von Gebrauchshunden."

Mal ganz abgesehen davon, dass zwischen PO und Ausbildung immer ein GEGENSEITIGES Anpassungsverhältnis realistisch ist, würde Deine Forderung immer voraussetzen, dass jemand ultimativ weiß, was die wahren Ausbildungsnotwendigkeiten von Gebrauchshunden sind. Noch einmal: Das ist umstritten! Und auch der hohe Grad Deiner Spezialüberzeugung ändert daran nichts. Die Frage ist immer wieder: Welche Rolle spielen in Deinem Denken die anderen Auffassungen, die auch alle behaupten, die eigentlichen Ausbildungsnotwendigkeiten von Gebrauchshunden zu betonen? Sind dir im Vollbesitz der Wahrheit die Andersdenkenden nur lästig? Oder sind sie für dich, wie beim alten Fichte, Menschen, die zum Verstehen gezwungen werden müssen? Schön, dass Du dich auf die Elite berufst, nur, welch Unglück, sehen andere die Elite woanders. Und dann? Menschen wollen überzeugt werden, nicht mit unbewiesenen Behauptungen zugetextet. Und da hilft dann auch kein Aufruf zu kritikloser Solidarität. Solidarisch ist man gerne mit Überzeugung, und um überzeugt zu werden, müsste der Überzeugende in der Lage sein, Kritik aufzunehmen. Gebetsmühlenartige Wiederholungen tun das gerade nicht. Die ewige Behauptung, dass bei den anderen alles falsch und bei einem selbst alles richtig sei, amüsiert auch eher, als dass sie der Lebenserfahrung entspricht.

Wie man das eigene Richtige mit anerkanntem Richtigen bei anderen verbinden könnte, das wäre doch mal 'ne spannende Denkaufgabe. Und wie man das eigene Richtige schon jetzt, auch mit einer problematischen PO, so zur Geltung bringen könnte, dass das nicht immer nur über eine Abwertung anderer geschieht. Das wäre doch auch mal 'ne Aufgabenstellung.
Hallo Leute,
noch mal wie war das Thema ??? Meideverhalten im SD abstellen

Gruss
Toto
@ WoWi und tinka - sensationell gut!
:appl: :appl: :appl: :appl:
Felczykowski,'index.php?page=Thread&postID=159384#post159384' schrieb:Also zusammengefasst...nur damit ich es auch verstehe...
Der RSV 2000 züchtet Gebrauchshunde, mit denen man bei der aktuellen PO kein Gesamt-V holen kann, es sei denn man führt fairerweise Bonuspunkte ein, weil diese Hunde halt einfach zu "echt" sind.
Der SV züchtet Sporthunde, also Sportmarionetten den man ja quasi alles andressieren kann, AUSSER die neue, definitiv kommende PO die von RSV Richtern auf dem RSV-DSH zugeschrieben worden ist?

Felczykowsky, sollen die Gebrauchshundler etwa vielleicht
nur noch vereinsintern starten? Es ist doch wohl nur menschlich, dass man, wenn
man sich soviel Mühe gegeben hat mit seinem echten Gebrauchshund, auch mal auf
grosser VDH oder FCI WM Bühne laufen will? Allerdings unter fairen Bedingungen
natürlich, die das Handicap ausgleichen.


Hast du denn etwa eine bessere Idee, wie es ohne Bonuspunkte
bis zur neuen fairen PO (was ja noch dauern kann) gehen kann, dass die Spitzenstellung
auch ausserhalb des eigenen Vereins mit der Mannschaft demonstriert werden
kann?
ganz ehrlich DSHPUR ich bin beim SV und ich habe KEINE "Beutelutscher" oder "Sportmarionetten" am *Bändel*. Die meisten Deiner Aussagen lösen in mir einen echten Brechreiz aus :-( . Auch ich möchte den DSH MIT den Gebrauchshundeeigenschaften erhalten und fördern. Das dies - achso nur im RSV2000 so möglich ist - wers glaubt wird seelig.

Es ist viel besser bei der EIGENEN Haustür zu kehren und im EIGENEN Verein versuchen was in den EIGENEN Möglichkeiten steht, wie sofort zum Nachbarn zu schielen oder "fluchtartig" davon zu gehen - so O-Ton nach mir die Sintflut ...

Ich habe nichts gegen den RSV, aber wenn ich so was lese von Dir DSH-PUR, dann strotzt dass vor Arroganz und da kannst Du mich nicht abholen, da dreh ich Dir ernsthaft den Hint ... zu und denke im wahrsten Sinne des Wortes: Le.. mi.. do.. am Pop ..

An den Theardöffner: Halte uns mal auf dem Laufenden wie Dein Training jetzt weitergeführt wird und welche Erfolge Du evtl. dabei hast. Es kamen hier auch sehr gute Vorschläge und Ansätze.

Angelika
@Felczykowski

gut auf den Punkt gebracht. Hätte ich nicht besser formulieren können ...

Angelika


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