23-08-2014, 16:08
Ich glaube, dass man aus der Tatsache ALLEIN, dass ein Hund einmal in ein Meideverhalten gekommen ist, überhaupt noch gar nicht so umstandslos auf eine mangelnde Veranlagung schließen kann. Das muss im Zusammenhang mit der Weise gesehen werden, in der der Hund aufgebaut worden ist. Und für die züchterische Pflege von Veranlagungen ist es uninteressant, ob dieser oder jener Hund auch mal ins Meiden geraten ist. Da interessiert nur, ob es mit geeigneten Mitteln möglich gewesen ist oder wäre, ihn dem Helfer gegenüber sicher zu machen (was freilich im Einzelfall nicht immer leicht zu beurteilen ist). Und für die weitere Ausbildung eines Hundes ist es schon gar nicht hilfreich, nur über mangelnde Veranlagung zu lamentieren. Da möchte man wissen, wie man die Situation verbessern kann.
Wenn wir uns aber doch auch über Zuchtpolitik und die Frage unterhalten, wie Veranlagung immer wieder auf der Höhe des möglichen Ausbildungsniveaus gefördert werden kann, dann kann ich nur sagen: Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir sehen gerade, dass ein Teil der Zuchtvereine das zeitgemäße Niveau kaum zu halten vermag, dass aber andere erstaunlich aufschließen, dass unterschiedliche Konzepte dazu entwickelt werden, welche Motiviationslagen beim Hund wie geformt und angelegt sein sollten. Diese Fragen sind alle längst nicht entschieden. Sie werden nie endgültig entschieden sein, im Sinne etwa eines ein für alle Male, aller geschichtlichen Entwicklung enthobenen, idealen Gebrauchshunds: Immer wieder werden neue Ausbildungsmethoden nach verändert angelegten Hunden verlangen - und veränderte Hunde nach neuen Ausbildungsmethoden. Wir sollten nur die Ziele - z. B. im Schutzdienst die Möglichkeit eines gleichzeitig dominanten und führigen Verhaltens - nicht aus dem Auge verlieren. Wie diese Ziele erreicht werden, das wird sich ständig verändern - und die Hunde, die dem Ziel am nächsten kommen, werden im Laufe der Jahrzehnte anders sein und auch immer wieder nach veränderten Gesichtspunkten gezüchtet werden. Allein schon, weil die Umwelt, in der die Hunde leben können müssen, sich ständig verändert.
Die Verschiedenheit von Hundetypen, von Ausbildungskonzepten, von Zuchtkonzepten und Gesichtspunkten bringt weiter, nicht aber der Versuch, nur diejenigen Gesichtspunkte zu Leitkriterien zu machen, von denen man meint, dass sie einem favorisierten Hundetyp und den eigenen Lieblingsvorstellungen gerade am besten entsprechen. Die Regeln für alle auf die vermeintlichen Vorteile für einen selbst begrenzen zu wollen, das ist hundesportlicher Fundamentalismus. Zugegeben: Beim alten Stephanitz hat das einst noch teilweise ganz gut geklappt, den Gebrauchshund auch nach dem favorisierten Hund zu definieren und nicht etwa nur den Hund nach Gebrauchskriterien. Aber wir leben heute in einer pluralistischeren Gesellschaft, die mehr auf Verschiedenheit hin angelegt ist, und vor allem stehen wir nicht erst am Anfang der Entwicklung des Gebrauchshundewesens, an dem Normen noch anders gesetzt werden konnten. Heute zieht patriarchale Vereinheitlichung nicht mehr so.
"Es gibt immer verschiedene Meinungen, das ist keine Lösung." Das IST zwar wirklich noch keine Lösung, aber ohne das gibt es überhaupt keine Lösungen! Und es gibt eben immer konkurrierende LösungEN, nicht DIE Lösung. Das ist in Hundesport und -zucht nicht anders als im übrigen Leben auch. Alles hat seine Stärken und Schwächen. An der Verschiedenheit, am Widerspruch, am Ungelösten haben wir die Möglichkeit weiterzukommen, nicht am vermeintlich allein Seligmachenden. Und ob etwas weitergebracht hat, wovon man einst überzeugt war, das pflegt sich im Rückblick häufig zu relativieren ... Die Offenheit für die gegenseitige Ergänzung unterschiedlicher Ideen ist vergleichsweise zukunftssicherer.
Wenn wir uns aber doch auch über Zuchtpolitik und die Frage unterhalten, wie Veranlagung immer wieder auf der Höhe des möglichen Ausbildungsniveaus gefördert werden kann, dann kann ich nur sagen: Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir sehen gerade, dass ein Teil der Zuchtvereine das zeitgemäße Niveau kaum zu halten vermag, dass aber andere erstaunlich aufschließen, dass unterschiedliche Konzepte dazu entwickelt werden, welche Motiviationslagen beim Hund wie geformt und angelegt sein sollten. Diese Fragen sind alle längst nicht entschieden. Sie werden nie endgültig entschieden sein, im Sinne etwa eines ein für alle Male, aller geschichtlichen Entwicklung enthobenen, idealen Gebrauchshunds: Immer wieder werden neue Ausbildungsmethoden nach verändert angelegten Hunden verlangen - und veränderte Hunde nach neuen Ausbildungsmethoden. Wir sollten nur die Ziele - z. B. im Schutzdienst die Möglichkeit eines gleichzeitig dominanten und führigen Verhaltens - nicht aus dem Auge verlieren. Wie diese Ziele erreicht werden, das wird sich ständig verändern - und die Hunde, die dem Ziel am nächsten kommen, werden im Laufe der Jahrzehnte anders sein und auch immer wieder nach veränderten Gesichtspunkten gezüchtet werden. Allein schon, weil die Umwelt, in der die Hunde leben können müssen, sich ständig verändert.
Die Verschiedenheit von Hundetypen, von Ausbildungskonzepten, von Zuchtkonzepten und Gesichtspunkten bringt weiter, nicht aber der Versuch, nur diejenigen Gesichtspunkte zu Leitkriterien zu machen, von denen man meint, dass sie einem favorisierten Hundetyp und den eigenen Lieblingsvorstellungen gerade am besten entsprechen. Die Regeln für alle auf die vermeintlichen Vorteile für einen selbst begrenzen zu wollen, das ist hundesportlicher Fundamentalismus. Zugegeben: Beim alten Stephanitz hat das einst noch teilweise ganz gut geklappt, den Gebrauchshund auch nach dem favorisierten Hund zu definieren und nicht etwa nur den Hund nach Gebrauchskriterien. Aber wir leben heute in einer pluralistischeren Gesellschaft, die mehr auf Verschiedenheit hin angelegt ist, und vor allem stehen wir nicht erst am Anfang der Entwicklung des Gebrauchshundewesens, an dem Normen noch anders gesetzt werden konnten. Heute zieht patriarchale Vereinheitlichung nicht mehr so.
"Es gibt immer verschiedene Meinungen, das ist keine Lösung." Das IST zwar wirklich noch keine Lösung, aber ohne das gibt es überhaupt keine Lösungen! Und es gibt eben immer konkurrierende LösungEN, nicht DIE Lösung. Das ist in Hundesport und -zucht nicht anders als im übrigen Leben auch. Alles hat seine Stärken und Schwächen. An der Verschiedenheit, am Widerspruch, am Ungelösten haben wir die Möglichkeit weiterzukommen, nicht am vermeintlich allein Seligmachenden. Und ob etwas weitergebracht hat, wovon man einst überzeugt war, das pflegt sich im Rückblick häufig zu relativieren ... Die Offenheit für die gegenseitige Ergänzung unterschiedlicher Ideen ist vergleichsweise zukunftssicherer.

