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Tetanus
#1
Aufgrund eines aktuellen Falles bei einem Hund eines unserer Forenuser möchte ich Euch auf die Gefahr der Tetanusinfektion bei Hunden hinweisen.

Im betreffenden Fall hatte die Hundehalterin drei Tage nach einer Verletzung ihres Hundes den Verdacht auf eine Tetanusinfektion. Die diensthabende Ärztin der daraufhin aufgesuchten Tierklinik hat sich geweigert den Hund gegen Tetanus zu behandeln, da ihrer Meinung nach a) Tetanusinfektionen bei Hunden so gut wie nie auftreten, b) eine Inkubationszeit von drei Tagen zu kurz wäre und c) die Syptome nicht zu Tetanus passen würden. Die Hündin zeigte ein Zittern / starke Empfindlichkeit am verletzen Bein, eine ungewohnte Schreckhaftigkeit / Ängstlichkeit, häufiges zwanghaftes Gähnen und ein Hochziehen der Augenbrauen. Zum Glück hat sich die Hundehalterin nicht auf die Diagnose in dieser Tierklinik verlassen, so daß der betreffende Hund, leider erst viele Stunden nach dem ersten Verdacht der Hundehalterin, dann doch noch mit Antitoxin und Anitbiotika behandelt werden konnte.

Tetanus („Wundstarrkrampf“) wird verursacht durch ein Bakterium namens Clostridium tetani, dessen Sporen fast überall zu finden sind, auch in Staub und Erde. Gelangen diese Sporen in eine Wunde und verschließt sich diese, dann vermehrt sich dieses Bakterium. Dessen Stoffwechselprodukte schädigen die Nervenzellen, durch welche die Muskulatur gesteuert wird, wodurch die für eine Tetanusinfektion typischen Lähmungserscheinungen und Muskelkrämpfe verursacht werden, ebenso wird durch sie die Herztätigkeit in Mitleidenschaft gezogen.

Hunde sind für Tetanusinfektionen nicht so anfällig wie Pferde. Trotzdem gibt es diese Infektionen aber auch bei Hunden. Dieser aktuelle Fall liegt noch keine 4 Wochen zurück, ca. 8 Monate vorher ist ein Hund eines meiner Vereinskollegen an Tetanus erkrankt. Letzterer hatte das Glück daß er seinen Hund bei den ersten Symptomen in einer Tierklinik vorgestellt hat, in der die diensthabende Ärztin sofort gegen Tetanus behandelt hat. Bei diesem Hund sind keine Spätschäden zurückgeblieben. Weniger Glück hatte eine von anderen Vereinkollegen gezüchtete Hündin, die im Junghundalter ebenfalls an Tetanus erkrankte. Trotz langwieriger Behandlung blieben bei dieser Hündin körperliche und geistige Schäden zurück.

Ich selbst kenne inzwischen sechs Hunde, die an Tetanus erkrankt sind. Eine Erkrankung, die unbehandelt tödlich verlaufen kann, nicht selten schwere Schäden hinterläßt, gegen die man impfen kann, wir unsere Hunde i.d.R. aber nicht dagegen impfen lassen.

Hier sollten wir Hundehalter uns mal Gedanken darüber machen, ob man nicht statt den alljährlichen Wiederholungsimpfungen gegen Viruserkrankungen, bei denen der Impfschutz nach einer einzelnen Impfung i.d.R. über mehrere Jahre gewährleistet ist, vielleicht mal eine Grundimmunisierung gegen Tetanus vornehmen läßt. Zwar ist, wie oben schon mal geschrieben, der Hund nicht so anfällig für diese Infektionserkrankung wie das Pferd, aber er ist nicht immun dagegen. Und vor allem bei Zwingerhaltung werden die ersten Syptome vom Hundehalter i.d.R. nicht bemerkt, die in einem Stadium auftreten in dem eine vollständige Heilungsmöglichkeit bei sofortiger Behandlung am wahrscheinlichsten ist. Zumal dann auch noch mancher Tierarzt keinerlei Erfahrung hat in der Diagnose und Behandlung von Tetausinfektionen bei Hunden, wie der Fall dieses Forenusers zeigt.

Inzwischen steht auch in Deutschland ein für Hunde zugelassener Impfstoff zur Verfügung namens „Equilis Tetanus-Vaccine“ von Intervet. Das vom Hersteller angegebene Impfschema ist das gleiche wie für Pferde, d.h. zwei Impfungen im Abstand von 4 bis 8 Wochen und eine dritte Impfung ca. 12 Monate nach der zweiten. Dann werden Wiederholungsintervalle von 2 Jahren angegeben, was ich persönlich (und da stimmt meine Tierärztin mit mir überein) für stark übertrieben halte, da Hunde in Bezug auf die Infektionsgefährdung eher dem Menschen entsprechen als dem Pferd. Wir Menschen werden in 10-jährigen Intervallen nachgeimpft und dann mit meist starken Impfreaktionen, was darauf schließen läßt daß man zum Zeitpunkt der Nachimpfung noch über einen relativ hohen Antikörperspiegel und somit Impfschutz verfügt. Ich selbst werde meine Hunde im Abstand von 4 bis 8 Wochen und dann 1 Jahr später noch einmal impfen lassen und dann war’s das für das restliche Hundeleben.

Wer sich mit einer Impfung gegen Tetanus bei seinem Hund nicht anfreunden kann sollte diesen nach Verletzungen (auch kleinen!) gut beobachten und lieber einmal zu viel zum Tierarzt fahren als zu wenig. Denn wenn eine Infektion vorliegt sind bleibende Schäden um so wahrscheinlicher, je später die Erkrankung behandelt wird. Die Inkubationszeit liegt zwischen 3 und 60 Tagen.

Und wenn Ihr den leisesten Verdacht habt Euer Hund könnte eine Tetanusinfektion haben und Euer Tierarzt redet drum herum und meint, er brauche einen Hund nicht gegen Tetanus zu behandeln: Holt Euch in dem Fall unbedingt eine zweite Meinung von einem anderen Tierarzt ein! Denn Irren kann in dem Fall tödlich sein!!!

Grüße

Antje
"Ich kann mir die Welt ohne Idioten und Gauner nicht vorstellen."

Mark Twain
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#2
Hallo Antje,

vielen Dank für diese informationen, die höffentlich vielen Hunden helfen werden - indem sie rechtzeitig geimpft oder auch behandelt werden.

Viele Grüße

BonnieH
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#3
Hm. Darüber hatte ich mir (aufgrund wohl mangelnder Informationen) noch keine Gedanken gemacht... Ich meine klar, Mensch lässt sich Impfen. Ich bin dieses Jahr auch wieder fällig...

Warum sollte ich dann meine Hunde nicht auch davor schützen. Ich werde mal mit meinem TA darüber sprechen. Danke für die Infos!
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#4
Die allgemeine Meinung vieler Tierärzte ist die, daß Tetanusimpfungen bei Hunden unnötig sind weil Hunde nicht an Tetanus erkranken. Daß deswegen im Erkrankungsfall sogar die Behandlung mit dem Antitoxin verweigert werden kann zeigt dieses Beispiel. Lediglich Tierärzte, die auch Pferde behandeln, sind in bezug auf dieses Thema sensibler.

Ganz klar sind Hunde nicht so hochempfänglich für Tetanusinfektionen wie Pferde. Sonst gäbe es sehr viel öfter Tetanusinfektionen bei Hunden. Aber letztendlich kommt es bei Kontakt mit einem Erreger auch immer auf dessen Menge an, ob es zu einer Erkrankung kommt oder nicht. Und wenn ein Hund das Pech hat viele Sporen in eine Wunde zu bekommen, die sich anschließend verschließt, dann kommt es auch beim Hund zu einer Infektion.

Grüße

Antje
"Ich kann mir die Welt ohne Idioten und Gauner nicht vorstellen."

Mark Twain
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#5
danke antje für die infos...

das war vor einigen tagen auch bei menschen, tiere und doktoren ein thema...
bis dahin hatte ich mir auch nicht wirklich kopfzerbrechen darüber gemacht... aber jetzt... hmmmm, ich denke ich werde unseren ta auch mal darauf ansprechen... mal sehen was der dazu sagt...

gruß
heike
Punkte vererben sich nicht...
aber HERZ und WILLE...
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#6
Danke Antje, daß Du darüber berichtet hast!!! auch daß Du mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden bist :thumbsup:

Bei der von Antje beschriebenen Problematik handelte es sich um meine Hündin.

Die Hündin verletzte sich am 23. Dezember bei einem Spaziergang an der Balle. Es war allerdings "nur" eine oberflächliche Verletzung, welche ich Zuhause desinfizierte. Über Nacht machte ich einen Verband hin, welchen ich am nächsten morgen wieder entfernte. Die Wunde sah gut aus und zog sich bereits wieder zusammen, so daß ich mir keine größeren Gedanken mehr machte.
Bei den darauffolgenden Spaziergängen zog ich ihr einen Schuh drüber, den ich danach wieder entfernte und die abheilende Wunde jedesmal wieder desinfizierte.
Am 25. Dezember bekam die Hündin abends sehr starke Schmerzen in der Pfote. Ich konnte keinen Eiterherd oder dergl. an der verletzten Pfote erkennen. Nachdem ihre Schmerzen jedoch immer schlimmer wurden (ich durfte die Pfote selbst nicht mehr berühren) fuhr ich mit ihr in eine Tierklinik. Wärend der Fahrt dorthin jammerte die Hündin in der Box vor Schmerzen (sie ist wahrlich kein "Weichei"!). Eine Behandlung in der Tierklinik war (aufgrund der Schmerzen) nur mit Maulkorb möglich. Der behandelnde TA machte einen Verband, gab ihr eine Antibiotika- und Schmerzspritze.
Es wurde mir eine weitere Antibiotikaspritze (sollte am 27.12. wiederholt werden) und Schmerzspritze (bei Bedarf) mitgegeben.
Bei meiner Frage nach Tetanus wurde mir gesagt, daß die Inkubationszeit viel länger sei.

Am 26. Dezember bemerkte ich eine Veränderung an meiner Hündin. Unruhe, Schreckhaftigkeit, zog vermehrt die Augenbrauen nach oben und ein häufiges Gähnen. Zeitweise kam sie aus dem Gähnen garnicht mehr rauß.
Ich telefonierte nochmals mit der Tierklinik (heute hatte ein anderer TA Dienst) und schilderte die Problematik. Da wurde mir wiederum gesagt, daß die Inkubationszeit für Tetanie viel länger sei und die Verletzung dafür zu kurz zurückliege. Bei meiner Bitte die Hündin vorsorglich gegen Tetanus zu spritzen wurde mir geantwortet, daß sie nur bei Nachweis und nicht bei Verdacht auf Tetanie spritzen.

Da meines Wissen´s nach bei einem erbrachten Nachweis es bereits zu spät sein kann, versuchte ich eine befreundete Tierärztin telefonisch zu erreichen, was mir am späteren Abend auch gelang. Diese sagte mir, daß die Hündin sofort gegen Tetanie gespritzt werden muß, da es ganz typische Symptome einer Tetanie sind. Auch meinte sie, daß sich die Inkubationszeit sich nicht an "vorgegebenen" Zeiten halten muß. Je nachdem wieviele Bakterien sich in die Wunde gesetzt haben, kann die Inkubationszeit auch deutlich kürzer sein.
Ich muß dazusagen, daß sich meine Hündin auf einer Wiese verletzt hat, auf der zuvor Schafe weideten.

Meine Hündin wurde noch in derselben Nacht gegen Tetanie gespritzt. Danach wurde sie noch längere Zeit mit Penicillin versorgt.
Bereits nach kurzer Zeit verschwanden die Symptome im Gesicht wieder und auch das viele Gähnen hörte vollständig auf.

Heute ist mein Mädel wieder vollständig genesen und topfit :thumbsup:

Wink Jutta ("Kieran") auch Dir danken wir ganz herzlich für Dein "Pfotendrücken" Wink
"Die kalte Schnauze eines Hundes ist erfreulich warm gegen die Kaltschnäuzigkeit mancher Mitmenschen."
Ernst R. Hauschka
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#7
Hallo Jutta, vielen Dank für Deinen Bericht! Schön, daß es Deiner Hündin wieder gut geht!!!

Zu der Tetanus-Thematik wollte ich noch hinzufügen, daß sich Hunde in Ausnahmefällen sogar durch den Genuß von Pferdepäfeln infizieren können! Vor ca. 2 Jahre ist eine Hündin mit gerade mal 12 Monaten an Tetanus verstorben, die sich nachweislich an Pferdeäpfeln infiziert hatte.

Gruß
Dina
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#8
Hallo Jutta,
schön das Destine wieder fit ist...

Liebe Grüße und bis bald
Kris
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#9
Hallo
ich verfolge das Thema mit grossem Interesse, weil mir ist schon in den 80ziger Jahren eine Junghündin mit 4 Monaten an Tetanus elendig eingegangen.
Wurde zu erst falsch behandelt und dann war es zu spät.
Sie fing sich die Infektion während des Zahnwechsels ein(wundes Zahnfleisch).
Da hatte der Erregeger leichtes Spiel.
Ganz auffällig war am Anfang dieser starre Gesichtsausdruck .
Sie wurde nach Tagen immer steifer in der Bewegung schließlich verendete sie.

Karola
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#10
Hi Kaota,

genau das was Du beschrieben hast, hat mir neulich meine TÄ´ztin gesagt.; Nämlich, daß viele Junghunde wärend der Zahnung (Milchzahn fällt rauß/Wunde offen/Junghund beißt überall rein/Tetanieinfektion kann sich entwickeln) besonders anfällig für diese Infektion sind.
Denn so wie Du schreibst, hat der Erreger im Zahnwechsel ein super-leichtes Spiel!
Leider wird dies oft verkannt! Warum auch immer!!!???

Gruß Juddel
"Die kalte Schnauze eines Hundes ist erfreulich warm gegen die Kaltschnäuzigkeit mancher Mitmenschen."
Ernst R. Hauschka
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