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Fährte: sucht nur Leckerchen!
#1
Hallo zusammen,
ich habe bisher immer gedacht, dass mein Hund sucht. Aber er sucht nur nach Futter!
Jetzt habe ich dieses abgebaut. Erst jeden 2. oder 3. Fußstapfen und dann in unregel-
mäßigen Abständen. Aber das klappt nicht! Der Hund springt / stürmt von einem Leckerchen
zum nächsten, aber sucht keine Fußstapfen ab!!!
Was habe ich da denn falsch gemacht? Und wie kann ich dass ändern? Huh
Gruß Tim
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#2
CLOCK,'index.php?page=Thread&postID=146687#post146687' schrieb:Was habe ich da denn falsch gemacht? Und wie kann ich dass ändern?
hallo tim, ich bin jetzt nicht der fährten freak oder guru, im grunde genommen mag ich fährten überhaupt nicht. trotzdem hatte ich mir mal vor einiger zeit gedanken über genau diese problematik gemacht. das hier ist dabei raus gekommen.

Der Fährtenabtritt hat eine ganz wesentliche Aufgabe. Er ermöglicht es dem Hund den individuellen Geruch einer Fährte aufzunehmen. Normalerweise werden die Hunde am Anfang des Trainings über das auslegen von Futter dazu motiviert den Abtritt interessiert und intensiv abzusuchen. Die Frage ist, … kann das alles ein? Ich denke nicht, immerhin soll der Hund nicht nur lernen das Futter zu finden! Hier gibt es aber einige wichtige Parameter zu bedenken. Futter ist ein unbedingter Reiz der instinktiv eine Reaktion hervorruft. Das heißt dieser Reiz muß nicht erlernt werden. Die Reaktion ist offensichtlich, der Hund will fressen und sucht deswegen das Futter. Die Verbindung von Reiz und Reaktion nennen wir Reflex. Liegt Futter im Abtritt ensteht ein unbedingter Reflex, auch dieser muß nicht erlernt werden, er ist im Instinktgefüge des Hundes seit der Geburt vorhanden. Der Hund sucht ganz automatisch mehr Futter.

Zu beachten:
Die Bodenverletzung einer Fährte ist zunächst einmal ein ganz neutraler Reiz, der erst durch einige Wiederholungen und die Darbietung eines unbedingten Reizes (Futter) zu einem bedingten (erlernten) Reiz wird. Hier fängt die Fährtenarbeit erst richtig an! Der neutrale Reiz ist dann zu einem konditionierten Reiz geworden wenn auf diesen Reiz eine bedingte Reaktion folgt, das heißt auch hier will der Hund fressen und sucht das Futter, obwohl auf dem Abtritt gar kein Futter vorhanden ist. Es entsteht ein bedingter Reflex.

Grundsätzlich:
Wenn wir in einen Fährtenabtritt Futter legen, wird der Hund bereitwillig und intensiv seine Nase benutzen um das Futter zu finden, das muß er aber nicht lernen, das kann er schon. Erst wenn die Bodenverletzung als ein konditionierter (erlernten) Reiz auf den Hund wirkt, der dann in der Folge eine bedingte (erlernte) Reaktion auslöst, können wir davon sprechen der Hund hat etwas gelernt.

Was könnte man also tun? Praktisches Beispiel:
In einem Fährtenquadrat liegt "kein" Futter. Die Bodenverletzung wirkt als dominierender Reiz auf den Organismus. Nun wird, während der Hund sich mit dem Abtritt beschäftigt, von Zeit zu Zeit etwas Futter in den Abtritt geworfen. Durch die Kopplung von dem (anfänglich) neutralen Reiz (Bodenverletzung) mit einem unbedingten Reiz (Futter) wird die Bodenverletzung zum konditionierten Reiz und erzeugt einen bedingten (erlernten) Reflex, die entsprechende Triebstimmung um zu suchen.

Das Ergebnis:
... ist offensichtlich, der Hund sucht nicht mehr nur das Futter, sonder die Bodenverletzung die Ihn in der Folge zum Futter führt. Ein kleiner aber im Ergebnis ganz entscheidender Unterschied.
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#3
Was Du beschreibst ist ein häufiges Problem bei sehr futtergeilen Hunden in der Hand von Anfängern, die dann nicht wissen wie sie dieses "Ich will" kanalisieren.

Meine Lösung wäre ein absolut kontrolliertes Führen des Hundes an kurzer Leine, gekoppelt mit etwas Triuebbabbau, sprich: Dieser Hund würde bei mir erstmal satt in die Fährte gehen und / oder das Futter auf der Fährte würde ich weniger attraktiv gestalten (Trockenfutter).

Nur wenn die Nase unten ist, geht es überhaupt auf der Fährte weiter. Bocksprünge und jeden Versuch mit hoher Nase da rüberzurennen würde ich derart unterbinden daß es keinen cm weiter geht.

Und das meine ich wörtlich - wirklich keinen cm.

Der Hund, der damit nicht kapiert daß er nur durch tiefe Nase und Abschnüffeln eines jeden Trittes weiter kommt, müßte ganz schön blöd sein.

Außerdem kann sein daß Dein Futterabbau zu schnell war.

Ich empfehle Dir daher unbedingt mit erfahrenen Fährtern gemeinsam loszugehen oder ein Fährtenseminar zu besuchen.
Gruß Bettina

"Wer etwas erreichen will, sucht Wege. Wer entschuldigen will, sucht Gründe."
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#4
Bettina Balters,'index.php?page=Thread&postID=146693#post146693' schrieb:Meine Lösung wäre ein absolut kontrolliertes Führen des Hundes an kurzer Leine, gekoppelt mit etwas Triuebbabbau, sprich: Dieser Hund würde bei mir erstmal satt in die Fährte gehen und / oder das Futter auf der Fährte würde ich weniger attraktiv gestalten (Trockenfutter).
hallo bettina, das halte ich für einen sehr guten lösungsansatz!! :appl:

auf der anderen seite ist die gier nach einem primärversterker gut nutzbar um verhalten, und noch wichtiger, den handlungsauslösenden reiz, zu konditionieren.

zu berücksichtigen wäre auch das eine kurze leine für den hund ein widerstand sein kann dem er mit noch mehr aktivitäten begegnet. es ist also extrem wichtig das der hund wirklich satt ist, das würde ich auf jeden fall mal probieren.
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#5
Hallo Tim,

wir arbeiten mit Futterdepots (ordentlich Futter, kann man dann verringern). Am Anfang werden ca. alle 10 Schritte Futterdepots eingebuddelt, zuerst offen, dann später mit Grasnabe oder Erde (bei Acker) bedeckt. So lernt er, wenn er die Fährte ruhig absucht um kein Depot zu überlaufen, dass er Erfolg hat. Am Anfang kannst Du ruhig hie und da mal ein Stück Futter in die Spur legen, aber nicht so oft.
Die Abstände zu den Depots werden dann erweitert. Will der Hund über die Fährte ziehen, einfach stehenbleiben, den Hund festhalten, damit er nicht zum Erfolg kommt und nichts sagen. Wenn er weitersucht loben, nicht so viel nur :guuut.
Meine Kleine hat auch anfangs nur gefressen und über die Fährte gezogen wie ein Staubsauger. Mit oben genannter Methode habe ich Ruhe in die Fährte gekriegt,
mittlerweile sucht sie super.
Beachte auch, dass Dein Hund nur zum Suchen kommt, wenn er ruhig zum Abgang geht. Zieht er, Kommando Sitz, ein Leckerli und dann weitergehen, das so lange bis Ihr da seid. Im Moment lege ich meine noch ca 1/2 Meter vor dem Schild ab, schon mit durchgezogener Leine, dann werfe ich etwas Futter in meine Tritte vor dem Schild, lupfe hinten die Leine und sage such, aber das ist Ansichtssache. Hauptsache der Hund zieht den Hundeführer nicht zum Schild.

Liebe Grüße und viel Erfolg
Ellen
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#6
Jetzt habe ich doch noch etwas vergessen. Die Depots mal in den linken und mal in den rechten Schritt legen, auf jeden Fall nicht immer auf die gleiche Seite, damit der Hund die Tappen schön links rechts suchen lernt.

Ciao
Ellen
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#7
Wir befinden uns ja auch gerade im Aufbau und es läuft bei uns in die Richtung wie Bettina es beschrieben hat. Wir haben Futter auf der Fährte, aber es gab schon von Anfang an immer wieder zwei, drei leere Tritte und wurden diese Tritte nicht ebenso abgesucht, wie die mit Futter, ging es eben nicht weiter.

Ich denke, dass der Hund das auch im Nachhinein begreifen wird, dass es nur ein vorangkommen - oder generell ein weiter - gibt, wenn er die Nase ins Gras steckt.
LG Raphaela

The Problem is not the Problem. The Problem is your attitude about the Problem.
Captain Jack Sparrow
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#8
Dunisca1,'index.php?page=Thread&postID=146734#post146734' schrieb:Die Depots mal in den linken und mal in den rechten Schritt legen, auf jeden Fall nicht immer auf die gleiche Seite, damit der Hund die Tappen schön links rechts suchen lernt.

Was ist der Vorteil von diesem links-rechts Suchen?
Warum nicht "einspurig" beginnen?
Ist das links-rechts nicht energieaufwändiger als ein Suchen ohne Pendeln?
Hund soll doch später möglichst gerade verweisen - oder?

@Detlef:

aber letztendlich bleibt doch das Futtersuchen die Motivation, auch wenn man die Belohnung (Futter) nicht mehr in jedem Tritt gibt, sondern später erst an den Gegenständen und am Ende der Fährte.
Das HZ Such ist doch zunächst nur Nase nach unten nehmen und nach Futter suchen. Wie jedes andere HZ lernt der Hund dieses auszuführen und dann ist es Gehorsam dies auszuführen, wie bei anderen HZ in der UO auch. Hund lernt die Verknüpfung m.E. "automatisch" aber nur wenn er in der richtigen trieblichen Stimmung ist. Das Anbahnen funktioniert aber durchaus so, wie von dir beschrieben. Allerdings würde ich bei einem triebigen Hund eher kein Fährtenquadrat wählen, sondern nach M. Dreyer vorgehen:
Hund sitzt in Ruhe neben dem HF, HF wirft ein Stück TroFu auf den Rasen HZ Such wenn Hund die Nase runternimmt und dann unterschwellig in das Suchen hinein weitere Stückchen TroFu werfen. Das macht man vor der Fährte auch als Ritual (Der Auslöser für die Erzeugung der richtigen Triebstimmung ist das Anlegen des Böttgergeschirrs). Wenn der Hund dann in der richtigen ruhigen Triebstimmung ist, geht es in die Kreisfährte, einspurig.
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#9
Hallo Big Ben.

einspurig machen wir die Fährte nur beim Welpen. Das Links-Rechtssuchen ist, damit er jeden Tappen aussucht. Die Winkel, auch die spitzen und die Bögen, werden ja später auch nicht ausgetreten.
Liegt er beim Verweisen schief, z.B. zu weit links, treten wir links an den Hund heran, dann rückt er gerade, wird dann mit Futter zwischen die Pfoten belohnt.
So ist halt unsere Methode, jeder sieht es halt anders.

Liebe Grüße
Ellen
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#10
da ich gerade auch einen Jungspund in der Fährte aufbaue, kann ich Bettina hier nur beipflichten. Mache das ebenso und hatte deshalb auch noch nie ein Problem, dass der Hund über die Fährte ziehen will. Selbst meine Lira hat ruhig gesucht, obwohl sie sonst so ein Wirbelwind war und auch trieblich sehr hoch gelagert war.

Angelika
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