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Ab wann Fährtenarbeit bei Schutzhundeprüfungen?
#11
Hallo Doggi,



Ich habe eine Prüfungsordnung des Vereins für Deutsche
Schäferhunde von 1933, in der es unter anderem auch eine „Prüfungsordnung für
Schutzhund-Hauptprüfungen“ gibt.





In der ist „Nasenarbeit“ in Form von „Gegenstandssuche“ auf
800 und 400 Schritt langen Fremdfährten mit und ohne Verleitung vorgesehen.


Vielleicht hilft Dir das weiter.





Viele Grüße


Astrid
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#12
GSD stand Dein toller Beitrag schon im FHF!

Hier ist er nochmal, allerdings nach wie vor mit Tippfehlern *gg*

Zitat:Hallo Doggi,

verzeih, dass ich dir so spät antworte. Ich war erst heute wieder im Netz.

Zu Deiner Frage: Ich erhebe auf historische Ereignisse keinerlei Urheberansprüche. Du kannst mit dem, was in meinem Beitrag steht, machen, was immer Du willst!

Ich möchte vielleicht noch etwas nachtragen: Der Polizeihund ist offiziell 1901 "erfunden" worden, eine Faszination breiterer Bevölkerungskreise für die Hundeausbildung ist dem fast sofort gefolgt. Schon seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts gab es in der deutschen Armee Militärhunde und die Faszination begann eigentlich schon damit. Das kann man z. B. an der Gründungsgeschichte mancher Hunderassen in jener Zeit sehen: Schon in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts wird versucht, Hunderassen als Gebrauchshunderassen zu entwerfen, obwohl es den Polizeihund da noch gar nicht gab. Z. B. kam der Airedale nach Deutschland und wurde im Klub für rauhaarige Terrrier betreut, der sofort eine Zusammenarbeit mit den zuständigen Militärbehörden anstrebte und auf deren Wunsch in der Zucht sogar den damaligen Rassestandard bewusst verletzte und die Hunde größer und schwerer züchtete. Als v. Stephanitz bei einer Militärübung einen Schäfer mit seinen Hunden beobachtete und sich sagte, dass solche Hunde ins Militär gehörten, da war das keineswegs, wie viele meinen, eine originelle Idee, sondern eine Ausbildungsschule für Militär-Hunde gab es da schon! (Und ich vermute, dass der Rittmeister als Militär davon auch unterrichtet war, aber die gute Idee doch irgendwie für sich reklamieren wollte.) An der Militärhundeversuchsanstalt wurde zunächst mit britischen Farm- u. Hütehunden (Collies, aber nicht solchen, wie wir sie heute mit dem Lassie-Typus verbinden) gearbeitet, ab den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts aber schwerpunktmä0ig mit Airedales. Bis in den 1. Weltkrieg war der Airedale und keineswegs der Schäferhund der Inbegriff eines "Kriegshundes". Das war ein weit verbreiteter Begriff: Die Menschen damals, die einen Airedale sahen, nannten ihn so. Oft kannten sie den britischen Namen der Rasse gar nicht, die deutsche Bezeichnung "Kriegshund" war damals aber gleichbedeutend mit diesen Hunden. Nicht nur der Deutsche Schäferhund, sondern viele Hunderassen wurden in jenen Jahren neu aus der Taufe gehoben, um dem Airedale in dieser Hinsicht Konkurrenz zu machen. So etwa der Boxer. Die Gründer der Boxer-Rasse waren drei Herren, von denen zwei Militärhundeausbilder waren: Ursprünglich eingefleischte Airedale-Leute, die aber wegen der Notwendigkeit, ständig britische Hunde zu importieren, zunehmend von der Rasse enttäuscht waren. Der Deutsche Schäferhund hat sich gegen die zunächst übermächtige Konkurrenz des Airedales erst im bzw. nach dem Ersten Weltkrieg durchsetzen können - u. a. auch deshalb, weil die Population von Airedales in Deutschland viel zu klein für den kriegsmäßigen Bedarf war, so dass alle möglichen anderen Hunde "eingezogen" werden mussten und die schiere Größe einer Population ein zu beachtendes Eignungskriterium für Beschaffer war. Obwohl die allerersten "offiziellen" Polizeihunde Deutsche Doggen waren, war man sofort der Überzeugung, dass diese Hunde zu groß und zu schwer für diesen Job seien, auch weil sie eine ernsthafte Gefährdung für Menschen darstellen können, was man schon damals nicht als den eigentlichen Zweck von Polizeiarbeit ansah. So ist der Airedale nicht nur beim Militär, sondern auch in der Polizeihundebewegung zunächst führend gewesen, weil man eben auf den schon "etablierten" Militärhund zurückgriff. (Auch der thüringische "Gendarmenhund", der Dobermann, für den heute oft reklamiert wird, er sei angeblich der erste Polizeihund gewesen, fand erst etwas später überregionale Beachtung und gewann seine vorübergehende Bedeutung in der Gebrauchshundeszene ebenfalls erst mit dem Niedergang des Sterns des Airedales.) Der Airedale galt zunächst auch als härter (im Sinne von: weniger schmerzempfindlich) als der Deutsche Schäferhund, den zunächst in der Gebrauchshundebewegung viele für etwas weichlich hielten. Das war der Grund, aus dem v. Stephanitz in der Zuchtzulassung damaliger Schäferhunde die heute so umstrittenen Stockschläge eingeführt hat: Die skeptischen Behörden sollten sehen, dass es jetzt eine Schäferhundrasse gebe, welche in der Zuchtselektion auf die Beeindruckbarkeit, wie sie für die extreme Führigkeit von Herdenhunden ursprünglich sinnvoll war, achtet bzw. sie für neue militärische und polizeiliche Verwendungszwecke zu relativieren versucht.

Weshalb schreibe ich das alles? Ganz einfach: Wir sind damit am Anfang des Prüfungswesens, nach dem Du gefragt hast. Das Prüfungswesen ist nämlich sehr stark von den Zuchtselektionsmechanismen der frühen Schäferhundebewegung mit beeinflusst worden. Zunächst gab es ja keine Einheitsprüfung für alle Hunderassen und alle deutschen Länder wie heute. Die ist erst im Auftrag der Nazis, die die Hundezucht auf einen kommenden Krieg hin umorganisierten, durch Oberst Konrad Most in den 30er Jahren eingeführt worden. Versuche der Vereinheitlichung von Prüfungen und auch der Qualitätskriterien bei der Selektion von Gebrauchshunden gab es mit wechselnder und eingeschränkter Verbindlichkeit aber längst vorher. Und vor allem v. Stephanitz hat, auch aus verbandspolitischen Gründen, sehr früh versucht, die Zucht des deutschen Schäferhundes für das Gebrauchshundewesen überhaupt, also auch für andere Hunderassen, normgebend werden zu lassen. Verschiedene historische Versuche, mehrere Gebrauchshundezuchtverbände zusammenzufassen, sind seit 1908 stark von Stephanitz und seinen Vorstellungen beeinflusst. Und als Most in den 30er Jahren eine Einheitsprüfungsordnung zusammenstellte, da tat er das nicht etwa als origineller Erfinder, sondern als Zusammenstellung von Disziplinen und Übungen, die schon vorher, überwiegend aus der Schäferhundebewegung stammend, als normgebend angesehen wurden. (Was nicht heißen soll, dass Most keine eigenen Erfahrungen in der Militär- und Polizeihundeuasbildung gehabt hätte. Die hatte er sehr wohl: Im Ersten Weltkrieg war er gar für die Beschaffung geeigneter Hunde an der Ostfront zuständig. Most hat Übungen auch nach eigenen Vorstellungen variiert, aber er hat auf Formen aufgebaut, deren Erfinder er meist nicht war.)

Gefährtet wurde mit Hunden nachweislich schon in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Man muss ja auch sehen, dass die Jagd-Gebrauchshundezucht als ein Erfolgsmodell der kontinentalen Hundezucht des 19. Jahrhunderts ein frühes Vorbild der Polizeihundebewegung und -zucht dargestellt hat: Und natürlich hat man an die Übertragung der jagdlichen Nachsuche auf die Nachsuche nach Fluchtwegen von Tätern gedacht. Als Most weisungsgemäß für die Neuausrichtung der Hundezucht der Nazis die Einheitsprüfung installierte, war das schon seit 20 Jahren etabliert, nur eben noch nicht in der heutigen Prüfungsform länder- und rassenübergreifend verbindlich. Deshalb ist die Frage, ab wann es die Fährte in der uns heute bekannten Form einer Einheitsprüfungsordnung gab, nicht zielführend, wenn man eigentlich wissen möchte, ab wann die Fährtenarbeit zur Ausbildung von Polizei- und Sporthunden gehört hat. Da ist die Fährtenarbeit nämlich schon deutlich älter, als es die uns heute bekannte vereinheitlichende Prüfungsform ist.

Die wesentlichen Grundlagen der Fährtenarbeit wurden bereits in den 20er Jahren durch die Doktores Menzel erforscht. Also ebenfalls deutlich, bevor es die Einheitsprüfung in der uns heute bekannten Form gab. Die Menzels haben in langen Versuchsreihen mit ihren Boxern nachgewiesen, dass der Hund in der Fährtenarbeit vor allem Bodenverletzungen untersucht und deren Alter bzw. die Verfallsstufe von organischen Bestandteilen der Bodenverletzung vergleicht. Für diese Arbeit galten die Menzels in den 20er und dann in den 30er Jahren als kynologische Koryphäen. (Was heute kaum noch erinnert wird, weil die Nazis die Urheberschaft dieser Erkenntnis durch Juden durch Veröffentlichungs- und Auftrittsverbote zu unterdrücken versucht haben und weil die Menzels als Zionisten dann die Vorformen des israelischen Militär-, Polizei- und Blindenhundwesens aufgebaut haben, also nach dem Krieg hier im noch nicht globalisierten Mitteleuropa nur noch am Rande wahrgenommen worden sind.) Niemand hätte eine solch aufwendige Erforschung der Fährtenarbeit unternommen und niemand auch wäre damit international berühmt geworden, wenn VOR der Einheitsprüfung die Fährtenarbeit nicht bereits als ein bedeutender Bestandteil der Arbeit mit Hunden angesehen worden wäre.

Alles Gute,

Wolfgang
Gruß Bettina

"Wer etwas erreichen will, sucht Wege. Wer entschuldigen will, sucht Gründe."
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#13
Astrid Gätje,'index.php?page=Thread&postID=158448#post158448' schrieb:Hallo Doggi,

Ich habe eine Prüfungsordnung des Vereins für Deutsche
Schäferhunde von 1933, in der es unter anderem auch eine „Prüfungsordnung für
Schutzhund-Hauptprüfungen“ gibt.

In der ist „Nasenarbeit“ in Form von „Gegenstandssuche“ auf
800 und 400 Schritt langen Fremdfährten mit und ohne Verleitung vorgesehen.

Vielleicht hilft Dir das weiter.

Viele Grüße


Astrid


Vielen Dank.....hilft auch weiter :thumbup:
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#14
Danke Bettina,

das hat mich gefreut! Und den Tipp- sowie den Kommafehler, die ich da sehe, rühre ich nicht mehr an.

Wolfgang
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