Ich hatte grad Langeweile, weil ich auf nen Anruf gewartet hab und konnte mir deswegen den ganzen Fred noch mal durchlesen. Dabei fiel mir auf, dass es ein ganz einfaches Beispiel aus der Praxis zur Begriffserklärung gibt. Chrissie16 war dabei und kann es bestätigen.

(Sorry, ich hatte das irgendwie bischen überlesen.)
Bei einem spontanen Treffen von Hundlern aus verschiedenen Gegenden D´s kommt man natürlich ins Gespräch. Ein Hundeführer sagte, dass er in wenigen Wochen die BH machen wolle, das Problem aber sei, dass der Hund in der Ablage seit kurzem nicht mehr liegen bleibe, wenn er merke, er hat keine Leine dran. Nach der Schilderung des HF war der Aufbau für mich ok und ausreichend oft wiederholt worden (
ausreichende Konditionierung).
Alle bekannten Möglichkeiten (bis auf eine) der Verhinderung des Aufstehens aus der Ablage haben sie wohl durchgechekt. Trotzdem kam es immer mal wieder vor, dass dem Hund langweilig wurde und er in Richtung HF marschierte.
(Bitte jetzt keine Ratschläge, was man alles rein positiv machen kann, damit das nicht passiert! Danke!)
Alle Möglichkeiten der Korrektur verpufften in diesem Fall, weil die Nähe zum HF für den Hund das Ziel war und er somit immer bestätigt wurde, selbst wenn der HF nicht gut gelaunt dem Hund gegenübertrat.
Bis dato kannte der Hund also nur,
- wenn ich nicht liegen bleibe, ist der Alte zwar nicht nett, aber ich bin nicht mehr allein (eine Annehmlichkeit),
- wenn ich liegenbleibe, bekomme ich Lob oder andere Annehmlichkeiten,
- wenn jemand mit Leine hinter mir steht, kann ich aufstehen und austesten, ob wirklich eine Leine dran ist, es passiert dabei nicht viel.
Ich bin mir nicht mehr sicher, ob die Rede davon war, dass sie evt. auch große Reize gesetzt haben, um den Hund "abzustumpfen". Ich glaube aber eher nicht.
Auf meine Nachfrage hin kannten weder der HF noch sein Team den Anbindepflock mit Ring und der damit verbundenen Möglichkeit, den Hund richtungsunabhängig am Platz zu halten. Sowas soll vorkommen.
Der HF stand der Frage offen gegenüber, ob man es nicht mal mit dosierten Zwängen probieren könnte, obwohl er alles andere als ein Hardliner war.
Wir hatten an diesem Tag noch etwa zwei bis drei Stunden Zeit und haben diesen Hund
abgesichert, indem wir ihm klar gemacht haben, dass Aufstehen aus der Ablage oder Schnappen der Sachen, die grad vorbeigeflogen kommen, unangenehm ist, selbst wenn der Ball direkt vor der Nase lang rollt. Ich glaube nach drei Wiederholungen mit wechselnden Ablenkungen und Personen hat der Hund regelrecht den Kopf beiseite gedreht, als der Ball ziemlich dicht und provokant vorbei kam. Ein Beobachter hatte schmunzelnd gemeint, der Hund hätte geguckt, als ob er von dem Ball angewidert wäre.
Ich weiß nicht, wie oft der HF das in den nächsten Tagen trainiert hat. Bischen aufwändig ist das schon, weil man mehrere Leute dazu braucht. Vielleicht weiß es Chrissi16, denn sie kennt den HF und hat mir berichtet, dass der Hund wohl seitdem (und auch bei der Prüfung) sicher liegengeblieben ist, weil er genau wußte, Aufstehen ist blöder als alleine Liegenbleiben und Liegenbleiben gibt immer nen netten HF zum Schluss.
Ich fasse kurz zusammen:
1. Hund hat über
positive Motivation fehlerfrei gelernt, was die Ablage bedeutet. Lernvorgang abgeschlossen.
2. Irgendwann war die Motivation, die den Hund zum sicheren Liegenbleiben bringen sollte, nicht mehr hoch genug. (während des normalen Wiederholungs- oder Erhaltungstrainings)
3.
Absicherung erfolgte über dosierte Zwänge, wobei auch hier ein erneuter Lernvorgang vonstatten ging. Es war sogar fehlerfreies Lernen, weil wir dem Hund vermittelten, dass er sich trotz Aufstehversuchs nicht einen cm vom Platz wegbewegen kann, sondern dort quasi fixiert ist.
Dieses Beispiel ist zwar nichts Neues oder Besonderes, aber deshalb so gut, weil niemand rumnörgeln kann, dass man es nur für den Sport oder nur für den Familienhund braucht. 8o
Wenn jemand meint, er müsse jetzt verkünden, dass er einen sicheren Ablagehund hat, trotzdem er nie auch nur ein klein bischen Zwang angewendet hat, so möge er bitte schweigen.