Vor allem müsste man sich mal entscheiden, ob man der modernen
Ausbildung unterstellen will, dass sie nur positiv arbeitet, oder ob
man unterstellen will, dass sie insgeheim mit Zwängen wie die alte Ausbildung
arbeitet. Beides gleichzeitig je nachdem welche Argumente man gerade
braucht, um seine alten Methoden zu rechtfertigen, widerspricht sich.
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...rein possitiv, ist ja wohl ein Mythos, spätestens nach dem Boom des reinen Possitivtraining und dessen nicht dauerhaften und zweifelhaften Erfolgen auf Prüfungen,...aber Menno,... ich dachte das sei doch in zwischen klar, das nur eine balancierte Mischung aus beidem zu dauerhaften Ergebnissen führen kann,...huch hatte ich zuviel Kenntinsse darüber vorrausgesetzt?!?
Martin-K9,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/26356-Schutzdienst-Video´s-von-H-Raiser/?postID=183113#post183113 schrieb:Ich persönlich mag die "arroganten" Machos lieber als die Speichellecker, aber das muss jeder für sich entscheiden.
Speichellecken,
Unterwürfigkeit und „will to please“ sollte man nicht in einen
Topf werfen.
Auch hat „will to please“ nichts mit der Art des Verbellens zu tun.
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Kann mir mal jemand erklären wie die praktische Ausbildung z.B. der Sitzübung beim Erlernen mit "Will to Please" aussieht?
Hört sich ja alles toll an, aber ich kann mir da praktisch nichts wirklich drunter vorstellen.
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Das ist hier die Frage...
Ist vielleicht aus der Luft gegriffen, aber Peter Scherk hat mal in einem DGH Interview gesagt, in Heuwinkl versuchen sie, jeden Hund so aufzubauen, das die eigentliche Übung gleichzeitig das Triebziel ist. Damit hast du auch keine Abhängigkeit vom Ball mehr, allerdings ist diese Art der Ausbildung nicht ganz leicht, ist im Buch der beiden aber ganz gut beschrieben, zumindest die Anfänge. Wenn es für den Hund wirklich das allergrößte ist, wichtiger als Ball oder Leckerli, dann , denke ich, bist du auf dem richtigen Weg. Und das ist halt nicht ganz einfach, denn bei wie vielen Hunden klappt das? Da braucht man auch ein gut funktionierendes Team zu.
Was der Kayser jetzt mit WTP meint...? Für mich klingt es genau so wie Heuwinkl, eben nur in Englisch nett verpackt, das es etwas komplizierter klingt.
Aber vielleicht irre ich mich auch... so hab ich es halt verstanden... ansonsten ma-re-sa fragen, er/ sie muss es wissen, soviel wie er/ sie darüber geschrieben hat.
Zwei Worte, die mir im Leben alle Türen öffnen:
Drücken und Ziehen.
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Henning,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/26356-Schutzdienst-Video´s-von-H-Raiser/?postID=183129#post183129 schrieb:Kann mir mal jemand erklären wie die praktische Ausbildung z.B. der Sitzübung beim Erlernen mit "Will to Please" aussieht?
Hört sich ja alles toll an, aber ich kann mir da praktisch nichts wirklich drunter vorstellen.
Hallo Henning,
das ist keine "Methode", sondern einen innere Einstellung, wie Du mit Deinem Hund zusammen lebst und was er für Dich empfindet bzw. wie ein Zusammenleben mit Dir und Deinem Hund abläuft.
Ein paar Beispiele, dann wird das vielleicht deutlicher (passen vielleicht nicht 100%ig, aber mal so in der Richtung):
1. Dein Chef sagt Dir, dass Du in einem neuen Projektteam mitarbeiten kannst. Ist freiwillig, ist eine stupide Arbeit, Du muss es nicht machen, aber wenn Du es tust, dann bekommst Du 1.000,00 EUR Bonus (positive Motivation)
2. Du fährst 50 km/h weil dort 50 km/h erlaubt ist und da ein Blitzer steht und Du Angst vor Strafe hast (negative Motivation)
3. Du machst gerne Hundesport weil es Dir Spaß macht. Du bekommst dafür weder Geld noch bekommst Du eine Strafe, wenn Du es nicht machst. Der Sport befriedigt Dich, Du machst ihn gerne und freust Dich auf jedes Training (intrinsische Motivation)
4. Deine Frau oder Freundin bittet Dich, den Misthaufen im Garten umzusetzen. Sie wird dir weder 100 EUR dafür geben, wenn Du es machst, noch Dir eine reinhauen, wenn Du es nicht machst. Du liebst aber Deine Freundin, willst ihr gefallen und machst es gerne. Nach der Arbeit ist sie glücklich und Du bist es auch (Will to Please)
Wie immer, kann man natürlich auch die Motivationslagen mischen.... am Beispiel der Freundin ist es illusorisch zu glauben, dass ein "Nö" keine negativen Konsequenzen hat. Dennoch machst Du es lieber für sie als für einen wildfremden Menschen.
Ist das so ungefähr deutlich geworden?
Viele Grüße
Sören
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Eine Ergänzung noch, weil es ich vergessen habe:
Beim Beispiel "Misthaufen": Der "Will to Please" funktioniert nur, weil Du eine emotionale und sehr tiefe Bindung zu Deiner Freundin hast. Kommt ein wildfremder Mensch oder jemand, der Dir nichts bedeutet auf Dich zu und bittet Dich darum, dann wirst Du eher ablehnen bzw. es nicht ohne Gegenleistung tun.
Obwohl die Methode dieselbe ist (die Bitte um das Versetzen des Misthaufens) ist die Reaktion eine andere, je nachdem, wer diese Bitte äußert. Und da sind wir eben nicht mehr bei "Methoden" sondern bei einer Grundhaltung des Zusammenlebens.
Viele Grüße
Sören
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Ich denke, dass der Begriff wtp sehr überstrapaziert wird, weil er ein wesentlicher Bestandteil bzw sogar Repräsentant der "modernen" Ausbildung" geworden ist. Allerdings bezweifle ich, dass er bei Hunden in dem Maß vorhanden ist, als es meist dargestellt wird. Streng definiert bedeutet es "gefallen wollen" dh, dass die Befriedigung (Triebziel) das Gefallen selbst ist. Solange sich der HF freut, ist die Handlung an sich egal...
Allerdings arbeiten so gut wie alle modernen Ausbilder mit Futter/Ball...den Hunden wird von Welpe an die Technik zur Erlangung des Triebziels gelernt - dieses Triebziel ist aber immer Futter/Ball, nie nur die Freude des HF. Futtertreiben ( oder Ball unter der Achsel) verlangt doch genau das Gegenteil von wtp - weil hier der Fokus ganz auf dem Objekt (Futter/Ball) liegt und der HF nur der Hüter des heiligen Krals ist. Die Konzentration des Hundes wird auf dieses Objekt fixiert, da bekommt der Hund doch gar nicht mit (bzw ist es ihm egal) ob sich der HF freut. Dh ob der Hund dem HF gefallen möchte ist bei dieser Ausbildung eigentlich sehr nebensächlich - er arbeitet für ein Objekt/Futter. Konsequent dermaßen ausgebildet präsentiert sich ein Hund in sehr positiver Grundstimmung mit perfekter Technik und Ausstrahlung und hoher Schnelligkeit, das mag den Eindruck erwecken, er arbeitet für seinen HF und bietet sich diesem an - in Wahrheit ist ihm egal wer den Ball unter der Achsel trägt...könnte auch ein Roboter sein. Soviel wtp seh ich da nicht...wobei man sich natürlich bei der ganzen Sache leichter tut mit einem Typ Hund, der nicht immer mit dem Kopf durch die Wand will - aber das grundsätzliche Triebziel ist bei all diesen Hunden mehr das Objekt als das Gefallen.
Dh auch die modernen HF machen sich immer noch andere Triebbereiche weit mehr zu Nutzen als das wtp.
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Hallo Martin,
und da ist eben der Unterschied zwischen positiver Motivation und "Will to Please" bzw. "intrinsischer Motivation".
Ich beschreibe das mal bewusst stereotyp, also sehr einseitig und quasi jede Methode isoliert. Natürlich wird da meistens gemischt.
Die Ausbildung nach positiver Motivation (streng genommen) hat Raiser damals schon umrissen: "Machste, kriegste". Also, wenn der Hund etwas macht, bekommt er eine Bestätigung in Form von Ball oder Futter. Das ist eben vergleichbar mit einem Menschen der zur Arbeit geht. Er tut dieses, um Geld zu bekommen und arbeitet vielleicht mehr, um mehr Geld zu bekommen. Dabei ist es egal, ob die Arbeit nun Spaß macht oder nicht bzw. sie neutral und als nicht notwendig gesehen wird. Ein menschlicher Arbeiter, der nur wegen seinem Lohn arbeitet, ist in der Regel ein reiner Opportunist. Identifiziert er sich nicht mit seiner Firma oder seinem Job, ist er sofort weg, wenn ihn ein anderes Unternehmen mehr Geld zahlt. Andererseits: Hat er ein tolles Umfeld, einen tollen Job, macht ihm die Arbeit Spaß und ist es für ihn sinnstiftend, dann wird er auch für ein paar Euro mehr die Firma nicht wechseln und das Geld ist dann nicht mehr der Hauptgrund, warum er in der Firma arbeitet. Er würde es nicht ohne Geld tun, aber er sieht seine Bezahlung auch nicht mehr als einzigen Sinn und Zweck.
So ist es mit einem rein über positive Verstärkung ausgebildeten Hund auch. Der läuft auch genauso neben einem wildfremden Menschen her, wenn er den Ball oder das Futter hat. Der Mensch dahinter ist ihm ziemlich egal, er bedeutet ihm nichts.
Der negative Effekt dabei ist: Ein Hund ist nicht doof und hat eine gute Nase. Mit zunehmender Prüfungserfahrung weiß der Hund, ob da nun heute ein Ball in der Tasche ist oder nicht. Da wird dann mit allerlei Tricks gearbeitet, es wird so getan als ob, eine zweite Person nimmt den Ball vorher ab, fischt ihn heimlich aus der Tasche oder sonstiges. Kurz: Man versucht seinen Hund zu verarschen. Und Hunde sind nicht doof... die merken das meistens und die lassen sich schlecht verarschen. Und wenn dann nach ein paar Prüfungen der Hund das Spiel kennt und weiß, dass es keinen Ball gibt, dann arbeitet er auch nicht mehr... zumindest nicht mehr so toll. Der Hauptgrund, weswegen der Hund überhaupt etwas tut (die Bestätigung) fehlt. Daher sieht der Hund keinen Anlass mehr etwas zu tun. Und dann kommt eben die viel zitierte "Absicherung" dazu und das alles wird dann nochmal mit Zwang belegt, damit der Hund weiß: "er muss"... was sich dann aber wieder meistens auf die Stimmung auswirkt.
Die Idee bei der intrinsischen Motivation oder dem "Will to Please" besteht eben darin, eine stark emotionale Komponente da mir rein zu bringen. Der Hundeführer gibt ständig Feedback an den Hund, bereits in der Arbeit. Er lobt überschwänglich, bringt viel Stimme und Emotion in die Arbeit und quittiert natürlich auch falsches Verhalten entsprechend. Dadurch tritt die Bestätigung, also das Triebziel, immer mehr in den Hintergrund. Der Hund arbeitet zwar trotzdem dafür, aber nicht mehr ausschließlich. Der Ball oder Futter ist nur noch ein Verstärker aber nicht mehr der Hauptgrund oder das Hauptziel für die Arbeit.
Das setzt natürlich eine gute Bindung und auch eine gute Einordnung des Hundes mit seinem Hundeführer voraus. Und eben auch einen fairen und vertrauensvollen Umgang 24 Stunden am Tag, nicht nur auf dem Hundeplatz. Der Hund muss das Lob und die Emotionen glauben und es muss dem Hund etwas bedeuten. Bin ich zu Hause oder im Alltag unfair zu meinem Hund, dann verspiele ich mir das und er glaubt mir das auf dem Platz auch nicht mehr.
Viele Grüße
Sören
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Die Absicherung muß nicht wirklich mit Zwang (ich meine also stark negative Einwirkung sein) sondern ich lerne dem Hund in direkte Wege,...da das MO später nur noch der Verstärker ist, ( z. B. nach der Bestätigung durch Bringsel, geht er immer noch Fuß,...von sich aus)
Ich gebe oder lege mein Bringsel ganz normal und "öffentlich" für den Hund irgendwo ab, das ist nicht schlimm für ihn sogar gut für seine Motivation, ist das Bringsel doch die Versicherung, das er es am Schluß bekommt um mit MIR zu spielen,
....denn vergesst nie der Hund ist ein Egoist und er tut (leider) nichts aus Liebe, also Liebe so wie wir es verstehen 8) , sondern aus Eigennutz, aber das tun sie mit soviel Charme und Einsatz, das man gerne das Gefühl hat, das sie es für uns tun,....
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