03-01-2011, 12:01
Nadin,'index.php?page=Thread&postID=107034#post107034' schrieb:Huhu Sören,
danke für Deine Antwort, ich glaube gar nicht mal, dass nur ein Griff aus der Beute heraus ein ruhiger sein muss, denke nur, dass wenn nicht gut umgesetzt, der Aufbau schon auch schief gehen kann ( allerdings wie jeder andere Aufbau auch), zumindest habe ich schon Hunde gesehen, die tolle technische Übungen und "Palaber" vor dem Helfer gemacht haben aber dann irgendwie beim Beissen tatsächlich ein Problem hatten....kann sein, dass daher meine Gedanken kommen.
Und wie Du auch bestätigst, findet an den ein oder anderen Stellen ja doch eine Kanalisierung in den Beutebereich statt, wenn eben auch nicht unbedingt in den Beissphasen....nochmal danke:-)
LG-Nadin
Hallo Nadin,
ja, wenn Du das so nennen willst... es wird aber kein Kanalisierungs-Training etc. gemacht. Es ist auch völlig egal, was der Hund mit dem Ärmel macht, wenn er ihn hat. Spuckt er aus ist das okay, trägt er ihn, ist das auch okay, legt er ihn ab und kaut drauf rum ist das auch gut... es spielt keine Rolle. Dem Hund wird nach der Bestätigung nichts "aufgezwungen". Er kann das tun, was er will. Anders als in dem bisherigen Prinzip, wo durch Tragen, unterfassen, ruhiges Halten, etc. ständig am Hund rummanipuliert wird, ob er das nun will oder nicht.
Entscheidend ist das Beißen am Helfer. Das gibt in der Prüfung Punkte. Was der Hund mit der toten Beute macht, interessiert niemanden.
Vielleicht kann man den Unterschied am ehesten mit einem "Wohlfühbereich" erklären. Im klassischen Aufbau hat der Hund diesen Wohlfühlbereich in der Beute. Er wird über Beute aufgebaut und will, genügend Trieb vorausgesetzt, auch immer dahin zurück. Nun besteht man aber keine hochklassige Prüfung mehr über Beute, daher braucht man andere Bereiche. Der Hund wird also in seiner Beute gestört und mittels Konflikten (wie auch immer die aussehen) aus der Beute rausgebracht, er reagiert auf Konflikte mit Aggression (der berühmte Triebwechsel) und wird danach wieder mit Beute bestätigt. Man geht also den Weg Beute => Konflikt => Aggression => Beute. Dieses Verhalten wird irgendwann gefestigt und der Hund lernt, dass er über Aggression zur Beute kommt (Kanalisieren bzw. der Triebwechsel). Trotzdem will der Hund im Grund immer nur in die Beute rein und würde von sich aus da auch niemals raus wollen. Man muss ihn erst stören, wenn er seinen "Wohlfühltrieb" verlassen soll. Unprovoziert würde er das nicht zeigen, von sich aus auf die Idee kommen auch nicht. Warum auch, er hat ja gelernt, dass der Helfer nett ist und so ein Beutespiel Spass macht.
In den von mir praktizierten Aufbau ist der Wohlfühlbereich die Aggression, also das Dominieren. Hier ist das Fundament, da will der Hund wieder hin zurück weil er darüber aufgebaut wurde und weil er den Helfer als Gegner sieht... also als einen "bösen Angsthasen", dem zwar nicht zu trauen ist, der aber himmelweit dem Hund unterliegt. Aus diesem Wohlfühlbereich gibt es dann Abstecher in die Beute, quasi als "ritualisierte Endhandlung" um mit Beißen die Dominanz auszuleben. Der Hund hat aber keinen Grund lange in der Beute zu bleiben, er will wieder zurück ins Dominieren und in die Aggression, da er sich hier wohl fühlt und sich auch hier am meisten Erfolg verspricht. Man braucht also keine Aktivierung, keinen Konflikt und auch keine Bestätigung (Kanalisieren) für die Aggression. Die ist da, als Fundament. Alles andere sind Nebenkriegsschauplätze, die zu vernachlässigen sind.
Ich halte diese Art des Aufbaus für ehrlicher. Der Helfer ist von Anfang an der Gegner. Der ist auch mal unangenehm, gibt mal einen Stockschlag, zieht dem Hund mal einen mit der Peitsche. Der Hund bleibt aber trotzdem immer überlegen. Ich gaukel dem Hund keine "heile-Beute-Welt" vor und konfrontiere ihn dann plötzlich vor einer Prüfung mit der grausamen Wahrheit oder überfordere ihn, wenn er mal an einen Helfer gerät, der es wirklich ernst meint. Der Helfer ist Gegner, das lernt der Hund schon vor der Zahnung. Und diese Einstellung wird nie wieder ausgelöscht... mit dem Ergebnis das der Hund dem Helfer völlig anders gegenübertritt als ein Hund, der sein Fundament in der Beute hat.
Viele Grüße
Sören

