24-10-2006, 18:10
Hm Jupp,
das Apportieren ist sicher etwas, was jeder Hund von Natur aus mitbringt, wenn man bedenkt, dass die Zähne seine einzigen Greifwerkzeuge sind.
Das Problem beim Apportieren ist also von Anfang an bestimmt nicht, dass der Hund die verschiedensten Dinge ins Maul nimmt, und dass man jedes Zupacken durch entsprechende positive Bestätigung bestärken kann, sondern das Problem ist, die Motivation zum Halten dieser Gegenstände so hoch zu halten, dass der Hund sie ruhig hält, aber dann auch wieder abgibt, wenn die Zeit dafür gekommen ist.
Zunächst nimmt der Hund die diversen Gegenstände ja mehr, um entweder damit zu spielen oder um andererseits mit Artgenossen oder seinem Halter darum zu kämpfen. Beides veranlasst ihn, sich den Gegenstand zu sichern, ihn zu seinem Eigen zu machen, und beides erfordert ein gerüttelt Maß an Durchsetzungsvermögen, sprich der Hund muss das Teil gut festhalten, sonst ist es weg.
Wenn also der Hund seine Beute erobert und auch gegen Widerstände verteidigt hat, wird er sie kaum freiwillig wieder hergeben, ja er wird es eher sogar vermeiden, in die Nähe eines Konkurrenten um diese Beute zu gehen, und das ist absolut natürlich.
Für einen Apport zum Hundehalter läuft dieses Verhalten jedoch genau konträr. An einem sicheren Ort wird der Hund dann die Beute ablegen und beginnen, sie mit den Zähnen zu bearbeiten. Auch das bringt für das Apportieren nichts wirklich Positives.
Irgendwann wird man als Halter nicht umhin können, dem Hund klarzumachen, dass er die Beute seinem Halter abgeben muss, z.B. durch Beutetausch: Gibst du mir deine, bekommst du meine Beute. Wenn dieser Tausch nicht in seinem Versteck vor sich gehen soll, sondern bei mir als Halter, werde ich den Hund dazu bewegen müssen, mit seiner Beute zu mir zu kommen usw. usw.
Das hört sich nun alles ganz einfach an, aber das ist es m.E. nicht, weil das nicht so 0815 abläuft, sondern weil jeder Hund ganz eigene Vorstellungen davon hat, wie er mit der einmal eroberten Beute umgeht. Na ja, und ich sage jetzt einmal, hier ist v.a. auch das Fingerspitzengefühl des Hundehalters gefragt, zu erkennen, wie er seinem Individuum Hund am besten klar macht, was er letztendlich von ihm will. Eine simple Gebrauchsanleitung im Sinne von „Man nehme …, bestätige positiv, und man lösche…, indem man nicht bestätige.“ gibt es da m.M. nicht.
Zum Schutzdienst möchte ich sagen, dass man sich vielleicht nicht in der Wortzusammensetzung aus Schutz und Dienst verrennen sollte. Das heißt halt nun einmal so, weil die Hunde früher tatsächlich in vielen Fällen dazu dienten, den Hundeführer und sein Eigentum gegen Dritte zu schützen.
Auch hierbei geht es heute in erster Linie darum, dass der Hund zunächst mit einer dargebotenen Beute spielt, später auch, wenn der Hund sich dazu eignet, um diese Beute mit demjenigen kämpft, der die Beute präsentiert. Da dieser Kampf im Wesen eines Gebrauchshundes verankert sein sollte, ist dieser Kampf auch nichts Vermenschlichtes, sondern eine durch bewusste Züchtung herbeigeführt natürliche Fähigkeit des Hundes, sich gegen den Widerstand eines Konkurrenten durchzusetzen.
All das so hinzubekommen, dass der Hund in der Ausbildung keine Fehler macht, ist in meinen Augen eine wunderbare Idealvorstellung, aber ich mag nicht so recht daran glauben, dass es diese ideale Ausbildung in der Realität gibt. Andererseits bin ich auch ganz froh, dass es das nicht gibt und jeder Hund 300 Punkte macht, weil unser Sport sonst seinen Reiz verlöre.
Dennoch wünsche ich natürlich allen Ausbildern, so nahe wie möglich an die Idealvorstellung heranzukommen.
Servus Walter
das Apportieren ist sicher etwas, was jeder Hund von Natur aus mitbringt, wenn man bedenkt, dass die Zähne seine einzigen Greifwerkzeuge sind.
Das Problem beim Apportieren ist also von Anfang an bestimmt nicht, dass der Hund die verschiedensten Dinge ins Maul nimmt, und dass man jedes Zupacken durch entsprechende positive Bestätigung bestärken kann, sondern das Problem ist, die Motivation zum Halten dieser Gegenstände so hoch zu halten, dass der Hund sie ruhig hält, aber dann auch wieder abgibt, wenn die Zeit dafür gekommen ist.
Zunächst nimmt der Hund die diversen Gegenstände ja mehr, um entweder damit zu spielen oder um andererseits mit Artgenossen oder seinem Halter darum zu kämpfen. Beides veranlasst ihn, sich den Gegenstand zu sichern, ihn zu seinem Eigen zu machen, und beides erfordert ein gerüttelt Maß an Durchsetzungsvermögen, sprich der Hund muss das Teil gut festhalten, sonst ist es weg.
Wenn also der Hund seine Beute erobert und auch gegen Widerstände verteidigt hat, wird er sie kaum freiwillig wieder hergeben, ja er wird es eher sogar vermeiden, in die Nähe eines Konkurrenten um diese Beute zu gehen, und das ist absolut natürlich.
Für einen Apport zum Hundehalter läuft dieses Verhalten jedoch genau konträr. An einem sicheren Ort wird der Hund dann die Beute ablegen und beginnen, sie mit den Zähnen zu bearbeiten. Auch das bringt für das Apportieren nichts wirklich Positives.
Irgendwann wird man als Halter nicht umhin können, dem Hund klarzumachen, dass er die Beute seinem Halter abgeben muss, z.B. durch Beutetausch: Gibst du mir deine, bekommst du meine Beute. Wenn dieser Tausch nicht in seinem Versteck vor sich gehen soll, sondern bei mir als Halter, werde ich den Hund dazu bewegen müssen, mit seiner Beute zu mir zu kommen usw. usw.
Das hört sich nun alles ganz einfach an, aber das ist es m.E. nicht, weil das nicht so 0815 abläuft, sondern weil jeder Hund ganz eigene Vorstellungen davon hat, wie er mit der einmal eroberten Beute umgeht. Na ja, und ich sage jetzt einmal, hier ist v.a. auch das Fingerspitzengefühl des Hundehalters gefragt, zu erkennen, wie er seinem Individuum Hund am besten klar macht, was er letztendlich von ihm will. Eine simple Gebrauchsanleitung im Sinne von „Man nehme …, bestätige positiv, und man lösche…, indem man nicht bestätige.“ gibt es da m.M. nicht.
Zum Schutzdienst möchte ich sagen, dass man sich vielleicht nicht in der Wortzusammensetzung aus Schutz und Dienst verrennen sollte. Das heißt halt nun einmal so, weil die Hunde früher tatsächlich in vielen Fällen dazu dienten, den Hundeführer und sein Eigentum gegen Dritte zu schützen.
Auch hierbei geht es heute in erster Linie darum, dass der Hund zunächst mit einer dargebotenen Beute spielt, später auch, wenn der Hund sich dazu eignet, um diese Beute mit demjenigen kämpft, der die Beute präsentiert. Da dieser Kampf im Wesen eines Gebrauchshundes verankert sein sollte, ist dieser Kampf auch nichts Vermenschlichtes, sondern eine durch bewusste Züchtung herbeigeführt natürliche Fähigkeit des Hundes, sich gegen den Widerstand eines Konkurrenten durchzusetzen.
All das so hinzubekommen, dass der Hund in der Ausbildung keine Fehler macht, ist in meinen Augen eine wunderbare Idealvorstellung, aber ich mag nicht so recht daran glauben, dass es diese ideale Ausbildung in der Realität gibt. Andererseits bin ich auch ganz froh, dass es das nicht gibt und jeder Hund 300 Punkte macht, weil unser Sport sonst seinen Reiz verlöre.
Dennoch wünsche ich natürlich allen Ausbildern, so nahe wie möglich an die Idealvorstellung heranzukommen.
Servus Walter
Meine Hunde blieben mir im Sturme treu

