28-02-2021, 12:02
tinka,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/26988-Extreme-Unruhe/?postID=189699#post189699 schrieb:Der Hund muss erstmal wieder Lernen lernen.+1
Unter Dauerstress kann ein Hund nichts lernen - und ein Mensch ist dann bezüglich Hund auch behindert. Wir haben in den ersten Jahren(!) die Lage kaum begriffen. Der Hund konnte im ersten Jahr mit menschlichen Lauten wohl kaum etwas anfangen, weil er als Welpe gar keine Stimmen von Menschen gehört hat und dann plötzlich voll in die Stadt zwischen Autolärm, blendende Scheinwerfer, kreischende Kinder und Frauen kam usw. Das war für ihn wie in der Geisterbahn, Horror. Man kam dann eben nur über sehr deutliche Signale in sein Bewusstsein und er war für Tage und Wochen danach unter Spannung, die wir als Laien nicht erkannt hatten. Erst der längere Aufenthalt bei einem sehr erfahrenen Trainer hat dem Hund wohl vermittelt, dass menschliche Laute Bedeutungen haben können, dass es Kommandos gibt. (Leider war der Hund wohl der letzte "Patient" in dieser HuSchu. Als Pension hat man es heute einfacher...) Und noch später ist MIR aufgegangen dass der Hund ab der neunteb Woche über ein Jahr unter Dauerstress stand.
Da man ja heute für alles nicht erwünschte Verhalten und die erprobten Maßnahmen eine Alternative erfinden soll, also Ablenkung schaffen soll, kommt stereotyp der Spruch von der körperlichen und geistigen Auslastung. Diese Theorie geht aber auch hundert Jahre zurück, wo man für pubertiernde "Heranwachsende" sehr viel sportliche Auslastung verordnet hat, damit sie nicht ständig am eigenen Körper und dem vom anderen Geschlecht herum fummeln. Hinsichtlich anderer Erziehungsmethoden heißt es immer "mittelalterlich", aber wo es in den ideologischen Kram passt, nimmt man das gerne als angebliche Alternative.
Ich habe also über die "geistige Auslastung" nachgedacht. Da gibt es doch diesen Verkehrsknoten, bei dem unser Hund innerlich verkrampft... Seit ein paar Tagen gehen wir auf ruhigem Weg dort hin und er legt sich auf eine kleine, geschützte Rasenfläche, blickt machnmal in die Scheinwerfer der haltenden Autos und zählt wohl als geistige Auslastung die Autos.
Nach 5 Minuten gehen wir dann ganz ruhig und vorsichtig wieder nach Hause, wo er richtig belohnt wird. Es scheint ihm zu gefallen. Letzte Nacht hat er die Nachtrunde zum ersten Mal in all den Jahren(!) nicht haben wollen, ausfallen lassen. Er war wohl sehr ruhig und müde. 
Meine Frau sagte schon: "So ein Quatsch. Wenn der Hund nicht annähernd ausgelastet wäre, dann würde er doch weiter Küchenstühle fressen, uns besteigen, über Tische gehen usw. In der Wohnung ist der nun doch völlig locker und ruhig." Wenn er nachts mal kurz "Hau!" macht, weil er im Treppenhaus etwas gehört hat, sage ich "Scheiße... müüde" und dann plumpst sein Kopf wieder auf meine Bettdecke. Sch**ße ist bei uns das Wort für alles Uninteressante, Wertlose: Am besten wirkt es, wenn ich das Teil nehme und mit verächtlichem Gesichtsausdruck in eine Tonne knalle. "Sch**ß Tussi." oder "Sch... Radfahrer." Man muss schauspielern können. Solche kleinen Tipps würde ich mir von erfahrenen Hundesportlern wünschen.

