14-07-2015, 18:07
Erwin schrieb: "eine mir begegnende Person hat der Hund immer neutral zu werten und nur das kann das ziel sein und nicht ein kontrolliertes aggressionsverhalten."
Über das Ziel sind wir uns schnell einig, wohl aber nicht immer über die möglichen Wege. Wie mein Hund eine Person "wertet", das ist nach meiner Erfahrung nie vollkommen kontrollierbar. Deine Formulierung "hat der Hund immer neutral zu werten" klingt so, also wäre das etwas, was man geradezu kommandieren könnte, so als habe man jederzeit eine Fernbedienung für Hundestimmungen. Mal ganz abgesehen von unvorhersehbaren Situationen, in denen das Tier anders reagiert als gewohnt, gibt es nach meiner Erfahrung auch Tiere mit bestimmten Grundstimmungen, die sich nicht einfach wegkonditionieren, wegstrafen, umlenken oder sonstwie gegen Null fahren lassen. Da gibt es dann keine verordnete Neutralität des Hundes gegen andere. Und ich denke da noch nicht einmal in erster Linie an Aggressionsverhalten. Das ist zwar das Thema in diesem Thread, aber wenn ich mir die Geschichte meiner Hundehaltung ansehe, so hatte ich viel mehr Ärger und Mühen durch das Verhalten von zu menschenliebenden, aufdringlichen Hunden als durch aggressive. Auch Freundlichkeit ist keine "neutrale" Stimmung. Diesen Mangel an Neutralität wird man Hunden nicht "austreiben" wollen, und doch muss man auch solches Verhalten kontrollieren können: Ein großer Hund, der voller Freude auf ein kleines Kind als einen potenziellen Spielpartner zustürmt, macht Angst. Der muss kontrolliert werden. Ich weiß nicht, ob es mir dann konkret darum geht, "Neutralität" in sein Verhältnis zu Kindern zu bekommen, aber ganz bestimmt geht es mir darum, ihn in einer solchen Situation absolut verlässlich zum Abbruch seiner Verhaltensweise zu bewegen. Starke Affekte, seien sie nun aggressiv-aversiv oder sozial-attraktiv, lassen sich nicht einfach wegbeordern und ihre "Entfernung" wäre manchmal nur um den Preis der Brechung einer Hundepersönlichkeit möglich. Wenn es um so etwas nicht gehen soll, dann braucht es die Einrichtung starker "Unterbrechungen", die zwar die starken Stimmungen des Hundes nicht auflösen, also keine "Wertungs-Neutralität" herbeiführen, aber die konkreten Verhaltensweisen steuerbar machen. Und ganz besonders clever erscheinen mir Lösungen (die allerdings nicht immer möglich sind), die die starken Ausgangsstimmungen selbst mit ihren mächtigen Energien auf die Mühlen der neuen Verhaltensstimulation lenken.
Aber wie das von Fall zu Fall aussieht, das kann sehr verschieden sein.
Grüße, Wolfgang
Über das Ziel sind wir uns schnell einig, wohl aber nicht immer über die möglichen Wege. Wie mein Hund eine Person "wertet", das ist nach meiner Erfahrung nie vollkommen kontrollierbar. Deine Formulierung "hat der Hund immer neutral zu werten" klingt so, also wäre das etwas, was man geradezu kommandieren könnte, so als habe man jederzeit eine Fernbedienung für Hundestimmungen. Mal ganz abgesehen von unvorhersehbaren Situationen, in denen das Tier anders reagiert als gewohnt, gibt es nach meiner Erfahrung auch Tiere mit bestimmten Grundstimmungen, die sich nicht einfach wegkonditionieren, wegstrafen, umlenken oder sonstwie gegen Null fahren lassen. Da gibt es dann keine verordnete Neutralität des Hundes gegen andere. Und ich denke da noch nicht einmal in erster Linie an Aggressionsverhalten. Das ist zwar das Thema in diesem Thread, aber wenn ich mir die Geschichte meiner Hundehaltung ansehe, so hatte ich viel mehr Ärger und Mühen durch das Verhalten von zu menschenliebenden, aufdringlichen Hunden als durch aggressive. Auch Freundlichkeit ist keine "neutrale" Stimmung. Diesen Mangel an Neutralität wird man Hunden nicht "austreiben" wollen, und doch muss man auch solches Verhalten kontrollieren können: Ein großer Hund, der voller Freude auf ein kleines Kind als einen potenziellen Spielpartner zustürmt, macht Angst. Der muss kontrolliert werden. Ich weiß nicht, ob es mir dann konkret darum geht, "Neutralität" in sein Verhältnis zu Kindern zu bekommen, aber ganz bestimmt geht es mir darum, ihn in einer solchen Situation absolut verlässlich zum Abbruch seiner Verhaltensweise zu bewegen. Starke Affekte, seien sie nun aggressiv-aversiv oder sozial-attraktiv, lassen sich nicht einfach wegbeordern und ihre "Entfernung" wäre manchmal nur um den Preis der Brechung einer Hundepersönlichkeit möglich. Wenn es um so etwas nicht gehen soll, dann braucht es die Einrichtung starker "Unterbrechungen", die zwar die starken Stimmungen des Hundes nicht auflösen, also keine "Wertungs-Neutralität" herbeiführen, aber die konkreten Verhaltensweisen steuerbar machen. Und ganz besonders clever erscheinen mir Lösungen (die allerdings nicht immer möglich sind), die die starken Ausgangsstimmungen selbst mit ihren mächtigen Energien auf die Mühlen der neuen Verhaltensstimulation lenken.
Aber wie das von Fall zu Fall aussieht, das kann sehr verschieden sein.
Grüße, Wolfgang

