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Halsband oder Geschirr - Aip - 17-10-2010 Streitfrage Halsband oder Geschirr? Diese Frage spaltet die Hundewelt: Was sollen Hunde tragen? Hundephysiotherapeutin Britta Kutscher mit einem überraschend klaren Halsband-Plädoyer. .... Halsband oder Geschirr? Das ist keine Geschmacksfrage! Auch der Aspekt, wer die Führungsrolle übernimmt, ob Hund oder Besitzer, ist dafür nicht entscheidend. Anatomie, Biomechanik und Physik geben stattdessen ganz klar vor, wie die Entscheidung zu fallen hat. Den Druck verteilen Um Klarheit in die Diskussion zu bringen, ob Halsband oder Geschirr das Richtige für einen Hund ist, schaut man am besten auf die naturgegebenen Fakten. Entstanden ist der Trend zum Geschirr aus der physikalisch richtigen Überlegung: Je größer die Auflagefläche, desto geringer ist der punktuelle Druck. Um sich von harten Methoden zu distanzieren, wurde überlegt, wie man Druck vom Hundehals wegnehmen kann und kam auf die Idee, den Druck zu verteilen. Messungen mit speziellen Druckmessunterlagen haben ergeben, dass durch die Geschirre durchaus der punktuelle Druck verringert wird, aber es entstehen Druckspitzen an Körperstellen, die überhaupt keinen Druck vertragen können. Das Tragen eines Geschirres kann aus gesundheitlichen Gründen angebracht sein. Letztlich liegt die Entscheidung beim Halter. Die Hals-Anatomie Der Hund ist ein Jäger, dessen Körperbau trotz Domestikation immer noch auf diesen Broterwerb ausgelegt ist. Egal, ob Jagd- oder Schoßhund, im Großen und Ganzen stimmen die Skelette aller Hunde bis auf einige wenige Details, wie z.B. die Kopfform, überein. Ebenso haben alle Hunde die gleichen Muskeln mit denselben Funktionen. Als Beutereißer ist der Hund auf einen überaus stabil bemuskelten Hals angewiesen, da sich die Beute nach dem Zubeißen durchaus wehrt. Der Hund hält aber instinktiv fest, schließlich will er nicht verhungern. Die Halswirbelsäule, bestehend aus sieben Halswirbeln, ist der beweglichste Bereich der Wirbelsäule und fängt das Schütteln der Beute im Todeskampf sehr effektiv ab. Auch kleine Hunde können Beute machen, die körperlich deutlich größer ist. Beispielsweise kann ein Terrier kleiner Größe zum Erstaunen seiner Besitzer leider schon mal ein Reh erlegen. Brustgeschirre sollen den Hundehals entlasten... SONDERFALL SCHLITTENHUND Der Zugpunkt beim Huskygeschirr liegt an der Schwanzwurzel, so dass der ganze Körper uneingeschränkt agieren kann. Die Spitzenzugkraft ist immer nur für kurze Zeit gefordert, das zu ziehende Gewicht verteilt sich im Gespann gewöhnlich auf mehrere Hunde und der Schlittenhund läuft immer mit nahezu waagerechter Zugleine, um nur einige Aspekte dieses speziellen Geschirrgebrauchs zu nennen. Die Idee, Hunde mit einem Geschirr auszustatten, ist keine Erfindung moderner Hundetrainer. Ihren Ursprung hat sie in der Schlittenhundearbeit. So ziehen etwa Huskys schadlos den Schlitten im Geschirr. Dabei handelt es sich allerdings zum einen um komplett anders konzipierte Geschirre als die marktüblichen für den Hausgebrauch, in denen der Vierbeiner ja gerade nicht ziehen soll. Haben Sie schon mal beobachtet, wie zwei Hunde miteinander toben, da wird auch gehörig gerissen und gezerrt. Oder welcher Hund liebt nicht das wunderbare Zerrspiel mit dem Spielzeug? Durch diese Spiele nehmen die Hundezähne meist mehr Schaden als die Halswirbelsäule, sonst wäre die Spezies Hund mangels Jagderfolg längst ausgestorben. Ergo: Die Halswirbelsäule ist sehr beweglich und tief in sehr gut ausgeprägte Muskulatur eingebettet. Durch die Beweglichkeit verzeiht sie auch schon einmal einen seitlichen Ruck. Heikle Brustregion Ähnlich einem Weidenzweig, der frisch gebrochen weich und elastisch ist, getrocknet jedoch ohne viel Kraft zerbricht, ist auch bei der Anatomie des Hundes entscheidend, ob die Kraft auf elastische, gut bemuskelte Körperpartien ausgeübt wird, oder auf starre Körperteile, bei denen die Knochen wenig geschützt dicht unter der Haut liegen. Was zeichnet diese Körperregion anatomisch aus? Der Brustkorb des Hundes ist Träger des Brustgeschirres. Der Brustkorb besteht aus 13 Brustwirbeln. An jedem beginnt ein Rippenpaar, das in großem Bogen abwärts führt. Am Brustbein, das aus kleinen, wirbelähnlichen Knochen besteht, werden alle Rippenpaare mehr oder weniger direkt wieder zusammengeführt und schließen den Brustkorb. Die Knochen des Brustbeins bilden eine bewegliche Gliederplatte. Das menschliche Brustbein ist dagegen eine starre Knochenplatte. Seitlich rechts und links sind die Schulterblätter auf den Brustkorb gelagert und dort nur durch Muskeln mit ihm verbunden. Eine knöcherne Verbindung wie das menschliche Schlüsselbein fehlt beim Hund. Die Schulterblätter bilden am vorderen Ende gemeinsam mit den Oberarmen die Schulter- oder Buggelenke. Sie sind an der Vorderseite des Hunderumpfes rechts und links neben der mittig gelegenen Brustbeinspitze gut zu tasten. Hier zwickt es. Wenn Geschirrteile in den Achseln drücken oder reiben, können Verletzungen und Irritationen entstehen. Rutschende Riemen Wenn man genau hinschaut, kann man hier recht viel Beweglichkeit bei jedem Schritt des Hundes beobachten. Sind die Schultergelenke durch irgendwelche äußeren Einflüsse wie z.B. ein dort aufliegendes Norwegergeschirr in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, bereitet das dem Tier nicht nur Unbehagen (Welche Dame hat nicht schon mal über die heruntergerutschten BH-Träger geflucht? Und damit Sport treiben?), sondern es entsteht sogar eine erhebliche Mehrbelastung für die darunterliegenden Gelenke, allen voran die Ellenbogengelenke. Die Schulterblätter bewegen sich deutlich vor und zurück, sodass hier aufliegende Textil-streifen auch die natürliche Bewegungsökonomie stören. Nun liegen die Bruststreifen der Geschirre auf dem Brustbein -sollten sie zumindest. Wer hat schon mal probiert, ein Brett auf einer Rolle auszubalancieren? Bei der geringsten Bewegung der Rolle rutscht das Brett hinunter. Ähnlich verhält es sich mit dem Brustriemen des Geschirrs. Da der Hund ein mobiles Wesen ist, hat das Brustriemchen leider keine Chance, auf dem Brustbein liegenzubleiben. Es verrutscht zur Seite und drückt dann auf die sehr empfindlichen Gelenke zwischen den Rippen und dem -Brustbein. Oder es rutscht in die Achselhöhlen. Hier verlaufen wichtige Nerven und Gefäße, die die Läufe versorgen. Erzeugen Geschirrteile Druck oder Reibung in den Achseln, so können Muskelverletzungen und/oder Irritationen der Nerven bis hin zu Lähmungen entstehen. Brustbein und Rippen mögen aber auch keinen Druck. Die Riemen der meisten Geschirre beengen die Schulter- und Ellenbogengelenke. Behinderte Atmung Die seitlichen Brustriemchen bringen bei seitlichem Zug des Hundes (oder des Besitzers) auch noch Scherkräfte auf das in sich bewegliche Brustbein. Des Weiteren laufen diese Riemchen über die Rippen. Funktion der Rippen ist es, sich auseinanderzuspreizen und sich wieder zusammenzuziehen, um so den für die Atmung notwendigen Über- bzw. Unterdruck im Brustkorb zu erzeugen. Wieder eine Frage an die Damen: Wie fühlt es sich an, wenn man mit einem BH mit zu geringem Brustumfang joggen soll? Den Herren wird schon beim Gedanken an eine derartige Einengung die Luft wegbleiben! Nun werden Sie vermutlich erwidern, man müsse das Geschirr ja nicht so eng schnallen. Doch schon der Zug an der Leine reicht für einen die Atmung beschränkenden Effekt aus. Ein weiterer Faktor für Unbehagen sind die dicken Schnallen vieler Geschirre, die auf den Rippen liegen. Wird das Geschirr nicht abgenommen, sobald sich der Hund hinlegen soll oder möchte, so drücken die Schnallen auf die empfindliche Knochenhaut der Rippen. Wer schläft schon gerne auf Krümeln, von Metall- oder Plastikknubbeln ganz zu schweigen? Bei langen Rücken Auch wer glaubt, durch ein Geschirr die lange Wirbelsäule seines Dackels zu schonen, der täuscht sich leider! Entscheidend hierfür ist nämlich, dass eine Knickung der Wirbelsäule entsteht: Die Halteöse für die Leine befindet sich über der mittleren bis hinteren Brustwirbelsäule. Die Zugrichtung und damit der Winkel einer Hebelwirkung ist abhängig von der Höhe des Hundes in Relation zur Höhe des Hundeführers. Je kleiner der Hund, desto größer wird die Knickwirkung auf die Wirbelsäule bei angezogener Leine. Die Druckmessungen haben ergeben, dass die schonendste Druckverteilung mit einem breiten, weichen Halsband zu erreichen ist, bei dem alle Schnallen, Schieber und die Leinenöse im Nacken positioniert sind. Selbst entscheiden Es gibt einige medizinische Ausnahmefälle, bei denen das Geschirr das Führungsmittel der Wahl ist. Dazu zählen Verletzungen oder Krankheiten im Bereich des Halses, außerdem eine Neigung zum Trachealkollaps (Instabilität der Luftröhre). Davon abgesehen: Vielleicht sehen Sie die Auswahl der Führungshilfe für Ihren Hund zukünftig unter anderen Gesichtspunkten als die Mode oder strikte Hundeplatzregeln es vorschreiben. Was für den einzelnen Hund am besten zu sein scheint, muss in letzter Instanz jeder selbst entscheiden. Britta Kutscher, Jahrgang 1965, ist ausgebildete Krankengymnastin sowie osteopathische Hunde- und Pferdetherapeutin. Sie hält seit über 20 Jahren Hunde, betreibt Hundesport und setzt ihre beiden Vierbeiner als Co-Therapeuten ein. Die gebürtige Dortmunderin arbeitet in eigener Praxis für Krankengymnastik in Karby an der Ostsee. Quelle: "Der Hund" 7/10. Redaktion DER HUND Wilhelmsaue 37-10713 Berlin Fax: 0 30/4 64 06-3 13 E-Mail: derhund@bauernverlag.de - Theo1963 - 17-10-2010 Danke schön für den Eintrag, das hab ich so noch nicht gewusst!! - Kasza - 17-10-2010 Ebenfalls danke! Am besten gefällt mir derTeil: Aip,'index.php?page=Thread&postID=101027#post101027' schrieb:Davon abgesehen: Vielleicht sehen Sie die Auswahl der Führungshilfe für Ihren Hund zukünftig unter anderen Gesichtspunkten als die Mode oder strikte Hundeplatzregeln es vorschreiben. Was für den einzelnen Hund am besten zu sein scheint, muss in letzter Instanz jeder selbst entscheiden.Sehr schön gesagt. Vor allem wenn man sieht wie viele Leutz nur aus modischen Gründen zu dem ein oder andrem Greifen. Und es ist wirklich bei jedem Hund anders: War bisher immer ein Halsbandfreund, aber mein jüngster ist der erste DSH den ich hab der beim Spazierengehen im Geschirr (im Gegensatz zum Halsband) nicht zieht und sich darin echt wohl fühlt. Und rausgefunden hab ichs nur durch Zufall, weil sein Halsband einmal den Geist aufgegeben hab und ich nur das Radfahrgeschirr einer Hündin im Auto hatte. - bordy - 17-10-2010 Was hier dummerweise komplett fehlt ist, dass ganze mal mit dem Halsband zu vergleichen - bzw sollte vielleicht auch mal erwähnt werden, dass Geschirr nicht gleich Geschirr ist und ein gut sitzendes z.B. nicht rutscht. Meine unwichtige Sicht der Dinge... - atje - 17-10-2010 Nachdem ich über zehn Jahre auch mit Pferden (und deren Ausbildung) zu tun hatte, in der Schlittenhundescene ( 10 eigene Huskymixe" ) steckte, reduziere ich es mal. Frage: Warum haben Kutschpferde ein Geschirr um? Warum haben Schlittenhunde ein Geschirr um? Ich vermute, um optimal ziehen zu können? Welcher Geist hat die jenigen geritten, die einem eh schon zu doll ziehenden Hund (am Halsband) auch noch ein Zuggeschirr um binden? Was fürn Wahnsinn? Anstatt ihm das ziehen ab zu gewöhnen bekommt der auch noch ein Zuggeschirr um!!! _w_ Also manchmal ist logische Vernunft besser als idiotische Verkaufsstrategie. Nachdenken soll nützlich sein (hab ich gehört) Jo, - Charisma - 17-10-2010 Ich habe zum Teil beides drauf, tendiere aber eher zum Halsband. Das Geschirr hatte ich eigentlich eher wegen dem Schutzdienst und meiner juengsten angeschafft. Komischerweise zieht sie im Geschirr weniger wie am Halsband. Mittlerweile zieht sie am Halsband genauswenig wie im Geschirr aber sie scheint sich im Geschirr weitaus wohler zu fuehlen. Hast Du... - atje - 17-10-2010 eine Erklährung dafür oder willste eine? Jo, - Charisma - 18-10-2010 atje,'index.php?page=Thread&postID=101054#post101054' schrieb:eine Erklährung dafür oder willste eine? Erklaers mir. Ich hab da zwar meine eigene Theorie bin aber offen fuer neues. Wieder wach, - atje - 18-10-2010 entschuldige, war einfach ein geschlafen. Bei Schlittenhundeleuten ist es bekannt, das man die Junghunde ans Geschirr gewöhnen muß. Das ist bei denen ein Riesenthema (wann, wie usw.). Bei Pferden ists ähnlich. Durch den ungewohnten Kontakt an Stellen, wo noch nie etwas war sind sie meißt erstmal sehr vorsichtig. Einer der Gründe, warum viele glauben, ein Geschirr sei besser. Nur, wenn sie sich daran gewöhnt haben, ziehen sie um so doller. Da brauchen Hunde jeh nach Mentalität unterschiedlich lange für (Pferde auch). Wenn man nur einen Hund betrachtet, der schon als Welpe ans Halsband gewöhnt wurde und dann mit meinetwegen einem Jahr ein Geschirr um bekommt, hat man eigentlich keinen Vergleich (zwischen Halsband und Geschirr) mehr. Würde man zwei Welpen, den einen mit Halsband und den anderen mit Geschirr aufwachsen lassen. Dann bei beiden mit einem Jahr tauschen, dann hätte man Ergebnisse, die etwas aussagen können. Jo, - Charisma - 18-10-2010 Atje, das ist alles ne Sache der Erziehung. Es kommt immer drauf an ob ich sie auch ziehen lasse. Wenn ich nix dagegen mach und mich durch die Gegend ziehen lasse, seis nun im Halsband oder im Geschirr, dann ist das meine Schuld und ich hab was in der Ausbildung und Erziehung falsch gemacht. Ein Hund kann auch im Geschirr, an durchhaengender Leine laufen. Alles ne Sache der Erziehung. |