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Reizschwelle/Trieb - Petra Stöppler - 01-04-2008 Hallo! Lt. einem Text, den ich mal gelesen habe, soll ein DSH über eine mittlere Reizschwelle verfügen. Nun frag ich mich: wie äußert sich eine mittlere Reizschwelle/was ist als mittlere Reizschwelle anzusehen? Ist in der Ausbildung nicht eine eher niedrige Reizschwelle besser zu gebrauchen? Und vor allem: Ist die Reizschwelle gegeben/ererbt oder kann sie durch Umwelt/Erziehung beeinflusst werden - wenn ja wie? Und weiter ist für mich die Frage offen, inwiefern die Reizschwelle mit Trieb in Verbindung steht. Nur mit Beutetrieb? Ich würd mich über ein paar sachliche Gedankenanstöße von Euch freuen. Vielleicht habt ihr ja auch einen Literaturtip für mich? - Fadrin - 01-04-2008 je höher der trieb, desto schneller wird eine entsprechende AKTION ausgelöst. je tiefer die reizschwelle, desto schneller wird eine entsprechende REAKTION ausgelöst. mit der gezielten ausbildung versuchen wir, aktion und reaktion zu beeinflussen und zu steuern. je extremer etwas vorhanden ist (oder nicht vorhanden ist), desto schwieriger wird es, aktion und reaktion zu steuern. - Gilette - 01-04-2008 Wow, so kurz aber absolut auf den Punkt gebracht! - Heinz.S - 01-04-2008 Reizschwelle ist der Punkt,an dem der Hund eine Reaktion auf äussere Reitze zeigt. Eine "mittlere" Reizschwelle bezeichnet den ausgeglichenen Hund,der einerseits genügend Trieb,andererseits genügend Nervenstärke besitzt,um sich ihm stellende Situationen entsprechend meistern zu können. Je niedriger Reizschwelle,um so niedriger die nervliche Belastbarkeit,zum arbeiten eher problematisch. Die nervliche Konstitution eines Hundes ist wohl vererblich,aber über gezielte Ausbildung auch zu beeinflussen,bekanntester Ausdruck( Reizschwellenerhöhung durch Gewöhnung). Trieb und Nervosität sind zwei paar Schuhe,auch wenns manchmal ähnlich aussieht. - Petra Stöppler - 02-04-2008 Danke für die interessanten Aspekte! Das Thema ist mir aus dem anderen Thread "absolute Beutegeier" nicht mehr aus dem Kopf gegangen - was ist erblich, was wird ausgebildet. Irgendwie hat man den Eindruck, wenn man 100 Leute nach einem beutetriebstarken Hund fragt, bekommt man 100 verschiedene Antworten. Ist ein Hund in dieser Richtung schon triebstark, wenn er auf kleinste Beutespiele schnell einsteigt, oder erst, wenn er heftigst die Beute einfordert (zerfetzte Jacken und beschädigte Körperteile) und nicht mehr hergibt. Evt. ist letzterer auch nur etwas unerzogen - oder ist solch ein Hund so extrem, dass er in der entsprechenden Trieblage nicht mehr erziehbar ist? Zitat:je höher der trieb, desto schneller wird eine entsprechende AKTION ausgelöst.Wird durch Trieb ausschließlich eine Aktion ausgelöst (im Umkehrschluss keine Reaktion)? Wie sieht es da zum Beispiel aus, wenn ein Ball geworfen wird? Ein Hund mit Beutetrieb läuft hinterher. Aber es handelt sich doch um eine Reaktion, oder irre ich mich da? Zitat:Je niedriger Reizschwelle,um so niedriger die nervliche Belastbarkeit,zum arbeiten eher problematisch.Also stehen Reizschwelle und nervliche Belastbarkeit in direkter Verbindung. Ist die von Dir gemeinte nervliche Belastbarkeit die im SD mit TSB bewertete Belastbarkeit? - Gilette - 02-04-2008 Hallo Petra, ein Hund, der einem geworfenen Ball nachjagt zeigt keine Aktion sondern eine Reaktion (auf den geworfenen Ball). Das ist korrekt. Wie schnell (Zeitnähe sowie Tempo) er dies tut und ob überhaupt (Jagdtrieb und/oder Beutetrieb) ist jedoch abhängig von der Motivation und der Reizschwelle des individuellen Hundes. Der Trieb lenkt jedoch die Aktion selbst und bringt den Hund dazu die Initiative zu ergreifen um eine Situation überhaupt erst entstehen zu lassen.Ich denke im einzelnen sind solche Aktionen in ihrer Gesamtheit sehr schwer zu durchschauen weil zuviele Faktoren mit hineinspielen und sich die verschiedensten Triebe (gibt es sie überhaupt, wenn ja, wieviele?), Umwelteinflüsse, Erfahrungen, Motivation, "Reizschwelle" ständig überlagern und ausserdem nie gleich sind. In der gleichen Situation würde z.B. ein Husky oder Greyhound nicht zwangsläufig dem Ball nachjagen obwohl diese Rassen bekanntermassen einen sehr hohen Jagdtrieb besitzen. Ebenso könnte ein schneller Hund den Lauf zum Ball absichtlich abbrechen oder verlangsamen um einem langsameren, jedoch ranghöheren Hund den Vortritt zu lassen. Oder der Hund wurde mit einem Kommando ins Platz gelegt und weiss genau welche Konsequenzen es für ihn hat aus diesem auszubrechen um dem Ball nachzujeagen. Oder, oder, oder... Da alle diese Faktoren ausserdem nicht messbar sind ist es unmöglich sie objektiv zu beurteilen. So muss wohl jeder für sich selbst herausfinden und beurteilen wie er seinen Hund einschätzt und wie man die gewünschte Leistung erreichen kann. - NinaD - 02-04-2008 Hallo Petra, es ist bei der Beurteilung eines Hundes ja ein grundsätzliches Problem, herauszufinden, welche Verhaltensweisen ererbt und welche erlernt wurden. Beim Beutetrieb ist dieses Problem noch dadurch potenziert, dass der Beutetrieb zu den trainierbaren Anlagen zählt... Die Reizschwelle lässt sich definieren als Mindestgröße eines Reizes, die bei einem Lebewesen eine Reaktion auslöst.Der Schwellenwert kann von sehr vielen verschiedenen Innen- und Außenbedingungen beeinflusst werden. Die Reizschwelle steht in der Tat mit der Nervenverfassung (= Empfindungsschwelle, bei der ein Tier auf einen Innen- oder Außenreiz reagiert) des Tieres in direktem Zusammenhang. Sowohl die übermäßige Nervenreizbarkeit als auch die zu hohe Nervenbasis sind eine schlechte Arbeitsgrundlage. Das beste Nervensystem eines Gebrauchshundes ist jenes, das auf eine mittlere Reizschwelle reagiert. Die Nervenverfassung selbst ist nicht trainierbar. Lg Nina - Petra Stöppler - 03-04-2008 Hallo! Hat noch jemand Ideen zum Thema "Reizschwellenerhöhung durch Gewöhnung"? Wie macht man das am besten? Die Reizschwelle wird ja möglicherweise sehr plötzlich überschritten. Im Prinzip müsste man es ja so angehen, dass man den Hund bis kurz vor die Belastungsgrenze an den entsprechenden Reiz gewöhnt und dann? - Heinz.S - 03-04-2008 Durch regelmässige,leichte Belastungen (Gewöhnung)lässt sich die Reizschwelle verschieben. So ungefähr,was ich täglich sehe,beachte ich irgendwann nicht mehr,es gehört dazu,verliert seine Bedrohlichkeit. |