Ok, dann will ich hier einmal etwas anbieten, was ja vielen große Mühe bereitet. Ich muss gleich dazu sagen, dass es sich hier um einen längeren Lernprozess handelt, nichts funktioniert hier schnell, alles wird manuell gehandhabt, auch die Absicherung.
Das Apportieren nach Walter
Grundgedanke: natürliches Verhalten: Ein Hund kann aufgrund seiner Anatomie Dinge (Fressen, Gegenstände usw.) ausschließlich mit dem Maul – den Zähnen nehmen.
Will der Hund also etwas vom Boden aufnehmen, kann er das nur über dieses natürliche Verhalten erreichen.
Diese Tatsache nütze ich für das Apportieren von Gegenständen schon im Welpenalter aus.
Ich lege, während der Hund außerhalb des Raumes ist, ein kleines Holz (ein Stofftier, eine kleine Plastikstange od. irgendetwas anderes) in einem Zimmer zu Hause auf den Boden und setze mich an den Tisch, auf dem einige Leckerli liegen, und lese Zeitung, d.h. ich schenke dem Hund keine Beachtung.
Wenn der Hund in den Raum kommt und den Gegenstand am Boden liegen sieht, wird er diesen irgendwann aus Neugier begutachten. Dieses Begutachten kann nur ein Anschauen im Vorbeigehen, ein Anschnuppern oder auch ein Anstoßen sein. Egal was für ein Verhalten der Hund gegenüber dem am Boden liegenden Gegenstand zeigt, ich bestätige es mit einem lobenden Wort (auch ein Klick ist möglich) und belohne ihn mit einem Leckerli. Sofort im Anschluss räume ich den Gegenstand sichtbar für den Hund so weit weg, so dass er letztlich dann nicht mehr für den Hund sichtbar ist.
Diese Prozedur wiederhole ich anfangs an den nächsten Tagen immer nur einmal. Innerhalb kürzester Zeit nimmt das Interesse des Hundes an dem Gegenstand zu, wobei jede Aktion, wie beschrieben, bestätigt wird. Schließlich nimmt der Hund den Gegenstand ins Maul – der eine früher, der andere später, lässt ihn aber u.U. wieder fallen. Selbstverständlich wird jedoch auch das bestätigt.
Wichtig für mich ist, dass der Gegenstand nach jeder Aktion aus dem Blickfeld des Hundes verschwindet. Er darf mit dem Gegenstand nicht spielen, sondern der Gegenstand muss für diese täglich einmalige Aktion interessant bleiben. Nach einiger Zeit nimmt der Hund den Gegenstand nicht nur auf, sondern er wird ihn zu mir an den Tisch bringen, jedoch u.U. vor mir fallenlassen. Auch das wird trotz des Fallenlassens bestätigt. Mit zunehmender Fertigkeit kann man diese Übung nun auch mehrfach am Tag wiederholen.
Es ist nun dem Geschick des Ausbilders (kein Non-Plus-Ultra) überlassen, wie weit er mit dem Bringen zum Tisch geht. Er kann dem Hund kurz unter den Unterfang langen, dann länger, oder, wenn der Hund den Gegnstand fallen lässt, schließlich warten, bis der Hund den Gegenstand selber wieder aufnimmt. Die Aktionen des Hundes mit dem Gegenstand sind ab jetzt nur schwer abzuschätzen. Letztlich kann man den Hund am Tisch mit dem Holz so lange warten lassen, bis er es ruhig hält; erst dann kommt er zu seiner Bestätigung.
Es folgt nun das Aufstehen des Hundeführers am Tisch mit dem Vorsitz. Auch das wird erst zu Hause abgesichert.
Wichtig bleibt für mich, dass der Gegenstand nach jeder Aktion aus dem Blickfeld des Hundes verschwindet: es gibt kein Spiel mit dem Gegenstand.
Erst wenn all diese Übungen zu Hause unter reizarmer Umgebung gut funktionieren, kann man m.E. diese auch am Übungsplatz versuchen, wobei ich anfangs bei der dem Hund bekannten Ausgangssituation (Gegenstand liegt am Boden in der Nähe des Hundeführers) bleibe. Stück für Stück lässt sich die Übung nun erweitern, bis man den Gegenstand von sich wegwirft. Der Hund wird dem Gegenstand selbständig nachlaufen und ihn wie gelernt mit Vorsitzen zurückbringen.
Wenn der Hund die Übung zur Zufriedenheit und sicher ausführt, kann man nach dem Entfernen des Gegenstands nun auch ein Spiel mit dem Ball oder ähnliches als Belohnung einsetzen. Wichtig bleibt hier für mich der zeitliche Abstand zum Spiel, damit der Hund die Übung auch stets zu Ende führt und nicht schon vorzeitig in die Erwartungshaltung zum Spielen kommt.
Dies funktioniert auch bei älteren Hunden, ich habe es probiert. Es kann allerdings gerade anfangs etwas länger dauern, bis der Hund merkt, was man von ihm will. Die letzte Fertigkeit erreichen ältere Hunde jedoch meist schneller als Welpen, weil sie ja schon früher in andere Lernprozesse eingebunden waren.
Einen zeitlichen Rahmen kann ich leider nicht anbieten, da die Erfahrung mir im eigenen Verein gezeigt hat, dass das von zwei bis zu zehn Monaten dauern kann. Verliert man die Geduld nicht, erreicht man ein sicheres Gehorsamsapportieren, weil der Hund mit dem Gegenstand ja nie spielen durfte, sondern immer erst die vollständige Übung belohnt wurde. Schließlich ist es dem Hund vollkommen egal, um welchen Gegenstand es sich handelt, er wird alles bringen, weil ihn das zum größtmöglichen Erfolg bringt.
Servus Walter