03-01-2011, 01:01
Andreas Bolz,'index.php?page=Thread&postID=106970#post106970' schrieb:Bine DSH,'index.php?page=Thread&postID=106967#post106967' schrieb:Das sehe ich anders! Dominantes Verhalten ist wie fast jedes Verhalten eine Mischung aus ererbt und erworben. Ich kann einen Hund anhand meiner Arbeit stärken oder schwächen in seiner Selbsteinschätzung.Das ist wohl so richtig, Bine. Aber wenn der Hund nicht zur Dominanz neigt, wirst du ihm durch diese Ausbildung ein ähnliches Verhalten erlernen können, aber was nicht ist, wird auch nicht sein. Das ist nicht Prüfungsrelevant, aber eine Tatsache.
LG
Bine
Gruss Andreas
Hallo Andreas,
Spass an der Dominanz hat jeder Hund. Sicherlich hat nicht jeder Hund den Drang sich ständig gegen Widerstände durchzusetzen und sich ständig aufzulehnen (wobei das wieder die Frage aufwirft, ob man das im Sport überhaupt will), dennoch lässt jeder Hund gerne den "Großkotz" raushängen, gerade die Halbstarken mit 4-8 Monaten gehen in dieser Arbeit völlig auf. Ob das nun genetische oder "gemachte" Dominanz ist, sei mal dahin gestellt. Das "Dominieren wollen" ist bei jedem Hund da und jeder Hund hat Spass daran. Das ist ein Überlebenstrieb, der genauso wie Aggression ausgelebt werden will... wenn man den Hund lässt und wenn man es in "seinem Rahmen" individuell gestaltet. Der Grad, wie weit man gehen kann und wann die Grenze erreicht ist und das alles u. U. kippt variiert von Hund zu Hund. Hier kann man sicherlich die Veranlagung nicht außer Kraft setzen.
Ich selber praktiziere diesen Aufbau, angeregt durch die Heuwinkler (denn gut geklaut ist besser als schlecht selbst gemacht) seit ca. 3 Jahren. Es ist natürlich erstmal ein Sprung über den eigenen Schatten, denn auch ich habe den Aufbau ganz klassisch über die Schiene Beute => Konflikt => Kanalisieren in die Aggression => Auflösen über Beute gelernt und auch jahrelang erfolgreich praktiziert. Mich davon zu lösen und nicht mehr als "netter Spielonkel mit dem Lederlappen" aufzutreten, war natürlich erstmal ein Sprung ins kalte Wasser. Die Resultat waren aber nach kurzer Zeit sehr überzeugend.
Heute habe ich so viele hervorragende Junghunde auf dem Platz wie nie zuvor. Und ich habe diese ganzen "Baustellen" wie Konflikte mit dem Hundeführer, Konflikte mit dem Aus, Zwänge und Unsauberkeiten beim Verbellen, Stress in Belastungen etc. pp. nicht mehr. Das liegt eben daran, dass der Hund sein "Fundament" nicht mehr in der Beute hat, diese also absolut zweitrangig ist, sondern Spass an der Arbeit mit dem Helfer hat, indem er dominiert und ihn quasi treibt. Die Intensität des Hundes bestimmt den Zeitpunkt des Anbisses. Und weil der Hund eben nie gelernt hat, sich in der "ruhigen Beute" wohl zu fühlen und nicht das "Beute machen" das Ziel ist, sondern das Beißen des Helfers und das Treiben, daher habe ich heute weit weniger Probleme mit dem "Aus" und mit diesen gesamten Gehorsamsteilen. Die Hunde sind klarer, nicht so überdreht und strahlen mehr Überlegenheit und Ruhe aus.
Und dazu muss ich sagen: Das sind meistens keine überdurchschnittlich veranlagten Hunde. Sicherlich sind ein paar dabei, der Großteil ist aber Durchschnitt. Trotzdem hat da keiner lockere Griffe, nahezu alle sind wahnsinnig schnell im langen Teil und in den Anbissen und auch die Bewachungsphasen sind sicher und stabil. Natürlich gibt es Grenzen, man macht aus einem Esel kein Rennpferd, wie das auch schon richtigerweise gesagt wurde. Man macht also alleine mit Ausbildung aus einem Durchschnittshund keinen Weltmeister... aber sicherlich holt man aus einem Durchschnittshund das Optimum raus. Und aus einem Spitzenhund genauso.
Es ist aber wie gesagt für einen Helfer erstmal ein Sprung das so zu machen. Da gehört schon am Anfang viel Umstellung und Selbstdisziplin dazu, nicht doch bei einem talentierten Junghund die Beißwurst rauszuholen und den klassischen Aufbau zu machen. Da habe ich am Anfang auch sehr viel mit mir selbst gekämpft, heute ärgere ich mich, dass ich das nicht schon viel länger so mache.
Viele Grüße
Sören


