29-10-2019, 20:10
Hallo Reinhard,
die Grundidee finde ich völlig richtig. Trotzdem drei Anfragen, weil ich neugierig bin, wie Du sie beantwortest:
1. Du sagst ganz richtig: Das Drehen wird in der Prüfung (und vielleicht sogar überhaupt) nicht gebraucht. Gebraucht wird, dass der Hund die Souveränität gewinnt, es abstellen zu können. Also müsste das eigentliche Konditionierungsziel hier nicht bloß darin bestehen, das Drehen auf Wunsch verfügbar zu machen, sondern ein sicheres Abstellen des Drehens zu erreichen.
Erste Frage also: Brauchen wir nicht also schlussendlich ein Zeichen für den Hund zum schnellen Abstellen des Drehens? Und dieses Zeichen müsste selbst in Situationen funktionieren, in denen der Hund affektiv sehr beansprucht und das Drehen schon chronisch geworden ist. (Mir ist schon klar, dass wir das überhaupt erst gewinnen, indem wir das Drehen selbst kontrollierbar und handhabbar machen, und mit der Methode stimme ich überein. Nur: Müsste man nicht noch deutlicher herausarbeiten, dass DAS das Ziel ist?)
2. Die zweite Frage folgt logisch aus der ersten: Wenn wir durch Konditionierung ein Abstellen eines unerwünschten Verhaltens erreichen, dann haben wir doch noch keine Alternative, also kein "richtiges" bzw. erwünschtes Lösungsverhalten etabliert oder konditioniert.
Zweite Frage also: Kommt dann eine Konditionierung des gewünschten Verhaltens "hinterher"? Oder irgendwie "gleichzeitig"?
3. Der Hund kann ja nicht nur an dieser Stelle, sondern immer wieder seine Energie in nicht funktionierende Verhaltensweisen lenken, die ihm durch eine gewisse Erregungsabfuhr Erleichterung verschaffen und damit ein gewisses selbstbelohnendes Potenzial haben. (Ich hatte z. B. einmal eine Hündin, die immer, wenn sie nicht an den Ärmel durfte, mit Karacho buchstäblich ins Gras gebissen hat.)
Daraus folgt die dritte Frage: Wäre die eigentliche Konsequenz Deiner Überlegungen nicht die, in der Ausbildung eines Hundes auch eine gewissermaßen prinzipielle, also grundsätzlich immer geltende Zeichenfolge zu etablieren, die dem Hund drei Dinge signalisieren kann: 1. Du zeigst ein unerwünschtes Verhalten, 2. Du zeigst ein erwünschtes Verhalten, 3. Biete mir eine Lösungsmöglichkeit an und beurteile sie dann selbst (ausschließlich) danach, ob Du das Zeichen für 1. oder für 2. dafür von mir erhältst. Das würde die Kommunikation dann nicht nur an der einen Stelle wie z. B. beim Verbellen, sondern generell erleichtern. Mit dem Klickern ist doch genau das angedacht. Nur habe ich immer noch Schwierigkeiten, die selbstbelohnende Kraft von vom Menschen negativ beurteilten Verhalten zu blockieren. Das scheint mir dann möglich zu sein, wenn man den Erwerb der Selbstbelohnung konsequent verhindert. Was aber, wenn der längst eingetreten und diese Art von Belohnung möglicherweise reizvoller oder auch nur schneller oder bequemer zu haben ist als die, die von mir kommt? (Bezogen auf den hier diskutierten Fall: Was, wenn der Hund das Drehen längst selbst so geil findet, dass er es auch um seiner selbst ausführt? Weil es also für ihn eine Lösung - der blockierten Energie - ist, auch wenn es keine für uns ist. Wir heilen ja mit dem Satz, dass Alkohol auch keine Lösung sei, schließlich auch keinen Trinker mehr ... - und so schätze ich, dass man einem Dreher-Hund etwas anbieten können müsste, was nicht nur das Drehen selbst, sondern den Gewinn, den es für ihn erbracht hat, irgenwie ersetzen bzw. seinen Verlust kompensieren kann.)
Hoppla, das war eine vierte Frage, aber der eigentliche Sinn meiner dritten ...
die Grundidee finde ich völlig richtig. Trotzdem drei Anfragen, weil ich neugierig bin, wie Du sie beantwortest:
1. Du sagst ganz richtig: Das Drehen wird in der Prüfung (und vielleicht sogar überhaupt) nicht gebraucht. Gebraucht wird, dass der Hund die Souveränität gewinnt, es abstellen zu können. Also müsste das eigentliche Konditionierungsziel hier nicht bloß darin bestehen, das Drehen auf Wunsch verfügbar zu machen, sondern ein sicheres Abstellen des Drehens zu erreichen.
Erste Frage also: Brauchen wir nicht also schlussendlich ein Zeichen für den Hund zum schnellen Abstellen des Drehens? Und dieses Zeichen müsste selbst in Situationen funktionieren, in denen der Hund affektiv sehr beansprucht und das Drehen schon chronisch geworden ist. (Mir ist schon klar, dass wir das überhaupt erst gewinnen, indem wir das Drehen selbst kontrollierbar und handhabbar machen, und mit der Methode stimme ich überein. Nur: Müsste man nicht noch deutlicher herausarbeiten, dass DAS das Ziel ist?)
2. Die zweite Frage folgt logisch aus der ersten: Wenn wir durch Konditionierung ein Abstellen eines unerwünschten Verhaltens erreichen, dann haben wir doch noch keine Alternative, also kein "richtiges" bzw. erwünschtes Lösungsverhalten etabliert oder konditioniert.
Zweite Frage also: Kommt dann eine Konditionierung des gewünschten Verhaltens "hinterher"? Oder irgendwie "gleichzeitig"?
3. Der Hund kann ja nicht nur an dieser Stelle, sondern immer wieder seine Energie in nicht funktionierende Verhaltensweisen lenken, die ihm durch eine gewisse Erregungsabfuhr Erleichterung verschaffen und damit ein gewisses selbstbelohnendes Potenzial haben. (Ich hatte z. B. einmal eine Hündin, die immer, wenn sie nicht an den Ärmel durfte, mit Karacho buchstäblich ins Gras gebissen hat.)
Daraus folgt die dritte Frage: Wäre die eigentliche Konsequenz Deiner Überlegungen nicht die, in der Ausbildung eines Hundes auch eine gewissermaßen prinzipielle, also grundsätzlich immer geltende Zeichenfolge zu etablieren, die dem Hund drei Dinge signalisieren kann: 1. Du zeigst ein unerwünschtes Verhalten, 2. Du zeigst ein erwünschtes Verhalten, 3. Biete mir eine Lösungsmöglichkeit an und beurteile sie dann selbst (ausschließlich) danach, ob Du das Zeichen für 1. oder für 2. dafür von mir erhältst. Das würde die Kommunikation dann nicht nur an der einen Stelle wie z. B. beim Verbellen, sondern generell erleichtern. Mit dem Klickern ist doch genau das angedacht. Nur habe ich immer noch Schwierigkeiten, die selbstbelohnende Kraft von vom Menschen negativ beurteilten Verhalten zu blockieren. Das scheint mir dann möglich zu sein, wenn man den Erwerb der Selbstbelohnung konsequent verhindert. Was aber, wenn der längst eingetreten und diese Art von Belohnung möglicherweise reizvoller oder auch nur schneller oder bequemer zu haben ist als die, die von mir kommt? (Bezogen auf den hier diskutierten Fall: Was, wenn der Hund das Drehen längst selbst so geil findet, dass er es auch um seiner selbst ausführt? Weil es also für ihn eine Lösung - der blockierten Energie - ist, auch wenn es keine für uns ist. Wir heilen ja mit dem Satz, dass Alkohol auch keine Lösung sei, schließlich auch keinen Trinker mehr ... - und so schätze ich, dass man einem Dreher-Hund etwas anbieten können müsste, was nicht nur das Drehen selbst, sondern den Gewinn, den es für ihn erbracht hat, irgenwie ersetzen bzw. seinen Verlust kompensieren kann.)
Hoppla, das war eine vierte Frage, aber der eigentliche Sinn meiner dritten ...


