06-06-2016, 18:06
bru-no,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/25361-Erkennen-von-Linkslastigkeit/?postID=172781#post172781 schrieb:Wenn hier denn überhaupt etwas "gemessen" wurde, dann die irrationale Treue zu einer tonangebenden Vielschreibergruppe.
Wer den kynologischen Wahnsinn für gut hält, daß „bösartige“ Hunde (4) in der Wertmessskala der DDR in „Die meist festzustellende und auch gesunde Mittellage von 3 – 7“ eingeordnet wurden, dem ist mit rationalen Argumenten nicht mehr zu helfen.
Zitat: Sie beziehen sich zentral insgesamt überwiegend auf das Verhalten gegenüber Menschen. Und zwar hauptsächlich in einer Konfliktsituation, in der auf den Hund eingewirkt wird. Das ist eine sehr kleine Auswahl aus dem notwendigen Verhaltensrepertoire eines Gebrauchshundes. Also im besten Fall ist das DDR-System eine sehr eingeschränkte, unvollständige, ungenaue, widersprüchliche und unsystematische Stichwortliste, die mit linken und rechten Wesenseigenschaften nichts zu tun hat. Für die Beurteilung der genetischen Wesenseigenschaften eines Hundes erfüllt sie noch nicht mal die Mindestanforderungen.
Wenn ich mir einen Hund kaufe, interessiert mich im Wesentlichen, was ich bei seinem Umgang mit Menschen zu erwarten habe. Was mein Hund über Karnickel oder Katzen denkt, interessiert mich nicht. Ich habe mir noch nie zu diesem Thema Gedanken gemacht.
Will ich einen Hund, der seinen Hundeführer in einer Ernstauseinandersetzung verteidigen kann wirksam verteidigt oder einen Hund für Angriffe auf Menschen im Auftrag z.B. der Polizei, ist sein Verhalten in Konfliktsituationen sehr wichtig.
Will ich einen Hund zum Spüren, muß dieser nicht über die Aggressivität in Punkto kämpfen verfügen, aber auf jeden Fall über eine psychische Rubustheit gegenüber der Umwelt (Härte) und Aggressivität = Durchsetzungsvermögen in Bezug auf das Wollen seines Suchziels. Ein Jagdhund, der es mit einer Sau aufnimmt und die Auseinandersetzung nicht scheut, ist mit Sicherheit kein Weichei.
Die Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit Menschen setzt Agressivität / den (Willen zum) Einsatz von Aggression voraus. Die Agressivität (Aggression muß nicht folgen mangels Masse = Härte) speist sich aus Nervosität / Unsicherheit. Eine Aggressivität / Aggression aus Unsicherheit ist die, welche Claudia eins weiter oben beschreibt, der Kampf ums Leben. Da ist nichts mit Impulskontrolle. Das Höchstmaß dieser Form der Aggression (von mir aus gepaart mit der Lernerfahrung, daß man so Sackgänger zügig los wird) ist dann bei "4". Ab "5" mit Kontrollmöglichkeit. Danach, ab "6", nimmt die Aggressivität wieder ab. Statt Nervosität / Angst haben wir Selbstbewußtsein, daß zunemend von Phlegma ersetzt wird.
Für Schutzdienst ist es wichtig, ein Optimum der Veranlagung zu haben. Für Behörden braucht man nicht nur coole Hunde, sondern auch solche mit Gefahrenbewußtsein. Das sind solche, die schon prophylaktisch den Sack zu machen (müssen).
Für privat, als Familienhund ist eine erkennbare Tendenz zu (wohlwollend) Nervosität oder zu phlegmatischem Verhalten nützlich.
Die Beißvorfälle in Familien sind i.d.R. mit ängstlichen / nervösen Hunden, die meinen, sich Probleme vom Leib schaffen zu müssen. Oder, wie hier schon jemand schrieb, mit in sich ruhenden Hunden, die durch den Besitzer "dazu gezwungen" wurden (auch Notwehr). Die ängstlichen dürften die Mehrzahl stellen.
Will man nun den passenden Hund züchten - was geht, man kann Merkmale züchten, auch Verhaltensmerkmale - werden beim Ausmendeln immer aggressionsfähige Tiere entstehen, die aber nicht so beherrscht oder beherrschbar wie gewünscht sind. Andere werden friedlicher. Selbst, wenn nur mit "friedlich" gezüchtet würde, kommen auch nicht sozialkompetente Tiere heraus.
In soweit finde ich die DDR-Bewertung nicht schlecht. Zu vergessen ist nicht, das Mißtrauen und zurückhaltendes Wesen, Zugänglichkeit, Bindung etc. gegenüber Menschen weitere Kombinationen eröffnen.
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Zur Eingangsfrage: Für mich ist ein linkslastiger Hund derjenige, welcher letztlich Probleme damit hat, seine Umwelt zu ertragen. Von seinen Fähigkeiten ist er dazu in der Lage, statt sofort zusammenzubrechen, diesen Problemen mit Aggressivität / Aggression zu begegnen. Mit gleichzeitig zunehmender Fähigkeit zur (gezielten) Aggression und zunehmender innererer Sicherheit (für mich hängt beides zusammen) wird dieser Typ berechenbarer und führbarer. Bei Überlastung seiner psychischen Leistungsfähigkeit kommt Meideverhalten. Gekoppelt mit einer guten Ausbildung, die den Hund umweltsicher(er) macht und ihm den Erfolg zuspielt, erhalte ich schon einen robusten Hund, der auf Grund seiner Defizite prophylaktisch beißt (guter Diensthund) und zwar souverän. Das alle bedeutet aber nicht, daß der Hund als Familienhund, vor allem in seinem gewohnten Umfeld, nicht zu gebrauchen ist. Nur: Furcht führt immer zu Einschränkungen, die dem Besitzer zur Last werden können, bei denen er sich nicht wohl fühlt.
Ein rechts liegender Hund ist für mich ein nervlich robuster Hund, den so schnell nichts erschüttert. Auch unter Streß und Druck ist er ansprechbar, kann reagieren oder er sieht keinen Grund zur Reaktion. Für Familien sicher gute, die besseren Hunde.
Im Schutzdienst hatte ich mal einen Staffi, der ging bei Belastung durch den Helfer nur einen Schritt zur Seite. Damit war für ihn das Problem gelöst. Die Kinder hauten ihm im Sandkasten schon mal vor freude mit der Schippe auf den Kopf. Ihn hats gefreut. Er und andere solche Hunde sind trotzdem zu immenser Aggression fähig. Sei es, daß sie in einen Stahlsafe beißen, um das Präperat zu bekommen, Wildschweine angreifen und dabei Spaß haben, oder die Familie wirksam schützen. Das letzte ist gekoppelt mit Ausbildung.
Je nach Typ kann man den Schutzdienst zum Sportlichen Wettstreit machen oder den Hund dazu bringen, zu sagen: "Mäuschen, jetzt reichts mir mit Dir!".
Bei Diensthunden wird man wohl wieder etwas mehr "Nervosität" / Unruhe wollen, eben ein Gefahrenbewußtsein, welches auch prophylaktisch handeln läßt.
Kann man das so sagen?

